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Mosterei in Reinbek bei Hamburg

Marianne und Wilfried Marquardt
21465 Reinbek, Hermann-Körner-Strasse 15, Tel.: 040 / 722 18 98
E-Mail: Reinbeker@Hobbymosterei.de

 

F&A-Saftbereitung

 

Inhalt dieser Seite:

  1. Trüben Saft klären (05.10.2000)
  2. Pektinasen zur Saftklärung (12.01.2002)
  3. Pressentypen und Saftqualität (30.08.2008)
  4. Dampfentsafter bei Beerenobst (12.06.2009)
  5. Weintrauben verarbeiten (24.08.2009)
  6. Qualitätsmerkmale des Dampfentsafters (22.09.2009)
  7. Materialwahl für Lebensmittelbehältnisse (01.11.2009)
  8. Dickflüssiger Saft (18.09.2010)
  9. Frühe Trubausfällung (23.09.2010)
  10. Qualität des Fruchtsaftes (28.09.2010)
  11. Rezept für Kinderpunsch (10.12.2011)


Trüben Saft klären

Frage
Ich wende mich mit einer Bitte an Sie, da mir in unserer Gegend keiner eine genaue Auskunft geben kann oder will, mir folgende Fragen zu beantworten:
Wir erzeugen von dem anfallenden Obst unseres Bauernhofes Süßmost, welchen wir in letzter Zeit naturtrüb
abgefüllt haben ( nach dem Pressen erhitzen). Da wir den Süßmost nun geklärt in Flaschen füllen möchten, hätte ich gerne von Ihnen gewusst, wie man das am besten macht. Ist der Klärvorgang auf chemischen Wege möglich ( wenn ja wie und mit welchen Produkten ), oder ist eine Klärung nur mittels Filteranlage möglich? Dürfen auch Apfel- und Birnensaft dabei vermischt werden ?

Antwort von Wilfried Marquardt am 05.10.2000
Weshalb wollen Sie den Saft überhaupt klären? Welche untauglichen Saftinhaltsstoffe wollen Sie mit der Klärung entfernen? Verarbeiten Sie etwa unreifes, angefaultes oder gar verfaultes oder überreifes Obst? Verpassen Sie immer wieder den richtigen Erntezeitpunkt der jeweiligen Obstsorte? Oder wollen Sie nur einen blanken Saft in Flaschen füllen, weil dies seit 50 Jahren modern ist und so von der Gastronomie den Gästen serviert wird? Was gelingt Ihnen bei der Produktion von trüben Saft nicht?

Eines vorweg: Ein geklärter Saft ist immer MINDERWERTIG!

Wollen Sie denn wahrhaftig Ihren eigenen minderwertigen Saft trinken oder diesen womöglich noch unters Volk bringen? ;-))

Wenn Sie den Inhalt unserer Homepage www.hobbymosterei.de zum Bereich "Mosterei" aufmerksam gelesen haben, fällt Ihnen auf, dass wir alles daran setzen, einen qualitativ hochwertigen Saft aus fremd angeliefertem Obst zu produzieren. Nur ein trüber Saft ist qualitativ hochwertig, für den auch ein entsprechender Preis gezahlt wird. An der Trübung erkennen Sie die Qualität des verarbeiteten Obstes. Ein trüber Saft muss auch nach längerer Flaschenlagerung noch ansprechend aussehen. Er muss trübstabil sein und goldgelb aussehen. Auf den gesundheitlichen Zusatznutzen von pektinhaltigen und somit trüben Saft möchte ich nur hinweisen.

So weit zum trüben Saft, den Sie nun aber nicht mehr herstellen wollen.

Jetzt zu Ihrem Anliegen:
Es gibt verschiedene Verfahren, um blanken Saft herzustellen. Diese alle hier anzuführen, sprengt den Rahmen dieses Schreibens. Ich nenne Ihnen ein von den Mostereien übliches Verfahren, welches noch den Vorteil einer höheren Saftausbeute mit sich bringt.

In die Maische wird ein pektinspaltendes Enzym gegeben. Dies erfolgt entweder während des Mahlens über eine Dosierpumpe oder das Enzym wird nachträglich im Maischesammler maschinell eingerührt. Die Einwirkzeit ist temperaturabhängig. Bei 20° C Umgebungstemperatur etwa 4 bis 8 Stunden, bei 40° C etwa 30 Minuten. Das Enzym wird in verschiedenen Varianten und von diversen Herstellern angeboten. Durch die Wirkung des Enzyms wird das Pektingerüst zerstört, so dass die Saftzellen verstärkt aufbrechen und dadurch eine höhere Saftausbeute bis 90 % möglich ist. Der Saftgeschmack verändert sich gering.

Sie sollten das Zeug vorab im Kleinversuch mit Varianten testen. Es kann Ihnen passieren, dass sich die Maische mit der Packpresse kaum noch abpressen lässt, weil die Tücher verkleben und dabei reißen oder nur noch "Schlamm" abläuft.

Falls dies für Sie zu aufwendig ist, geben Sie das Enzym dem Saft bei, dann haben Sie aber keine erhöhte Saftausbeute. Der Haupttrub sollte sich nach 3 Stunden im Tank abgesetzt haben, den Sie später als Apfelwein weiterverwerten können. Danach setzen Sie für die Feinfiltration einen Schichtenfilter ein.

Die vorgenannten Verfahren können für Äpfel und Birnen gleichermaßen angewendet werden oder auch gemischt.

Das Enzym kann "Pektinex" oder sonstwie heißen. Im Fachhandel für Kellereibedarf treffen Sie das Zeug auf jeden Fall an.

Abschliessend mein Rat:
Probieren Sie das o.a. Kombiverfahren ruhig mal aus und urteilen Sie selbst, ob sich für Sie als Kleinerzeuger der Zusatzaufwand für den "Erfolg" lohnt. Auf jeden Fall dürfen Sie hierfür Ihren Gerätepark erweitern.

Die Mostereien als Spezialbetriebe brauchten eine längere Zeit (Jahre) um damit wirtschaftlich sicher zu arbeiten. Dieses Feinrezept will natürlich keiner so ohne weiteres preisgeben. Vermutlich ist das der Grund, weshalb Sie im Umfeld auf wenig Gegenliebe bei Ihren Fragen stießen.

Sie können zur Klärung aber auch nur den Schichtenfilter einsetzen. Hierfür müssten Sie sicherlich dreimal filtern: Grob, mittel und fein. Die teuren Filterschichten können jedoch nur einmal verwendet werden, wodurch der Saftpreis enorm ansteigt. Außerdem verändert sich der Geschmack bei so viel Filtration.

Hilfsweise könnten Sie den Saft auch mit einer Zentrifuge (Separator) vorklären.

Nichts für Ihren Geldbeutel, aber trotzdem gut zu wissen: Der Einsatz eines "Dekanters". Das ist eine relativ große Zentrifuge, mit der Sie die Maische in einem Arbeitsgang pressen und filtrieren. Die Filtration oder besser gesagt, den Trubgehalt können Sie variabel einstellen. Das geht so weit, dass selbst Bakterien als Trubteil rausgeschleudert werden können.

Der Nachteil: Die Maschine kostet eine viertel Million DM und zusätzlich müssen Sie eine Trafostation in der Nähe haben. Außerdem ist das Gebäude, in dem der Dekanter stationiert ist, wegen der hohen Schwingungsgeräusche nicht bewohnbar.
Die Firma "Weser-Gold" z.B. produziert ihren Apfelsaft mit zwei solcher Anlagen.

Mein Buchtip: "Der Most, Gärmost und Süssmost" von Karl Stückler aus dem Leopold Stocker Verlag.


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Pektinasen zur Saftklärung

Frage
ich bin ein Student an der Lunds Universität. Ich war verwundert, dass Sie keine Pektinasen im Produktionsablauf Ihres Saftes verwenden. Ich arbeite an einem Projekt, in dem Pektinasen beteiligt sind, und ich versuche mir bildhaft vorzustellen, welchen Einfluss Pektinasen im industrieell hergestellten Saft haben.

Antwort von Wilfried Marquardt am 12.01.2002
Es ist richtig, dass wir keine Pektinasen in der Produktion unserer Apfelsäfte verwenden. Dies geschieht mit Absicht und auf Verzicht einer höheren Saftausbeute. Sie wundern sich und fragen warum?

Hier meine Antwort: Apfelsaftflaschen
Weil wir die natürlichen und gesundheitlichen Wirkstoffe im Apfelsaft erhalten wollen. Würden wir Pektinase einsetzen, wäre der wertvolle Inhaltsstoff "Pektin" abgebaut und somit nicht mehr im Saft vorhanden. Auf die positiven Wirkungen des Pektins für das körperliche Wohlbefinden möchte ich hier nicht näher eingehen, weil ich unterstelle, dass Sie als Student Ihrer Fachrichtung hierüber informiert sind.

Im Saft ist zwar nur ein Anteil des Apfelpektins vorhanden. Aber immerhin besser etwas, als nichts. Etwa 60 % des im Apfel vorhandenen Pektins verbleibt im ausgepressten Apfeltrester, den wir zur Tierfütterung abgeben. Die Tiere leben also sehr gesund. Mit Pektinase behandelter Trester wird selbst vom Rotwild nicht mehr angenommen!

Es ist schade, dass Sie im Projekt die Wirkung von Pektinase untersuchen. Es zerstört Pektin und schadet bei Verwendung in der Fruchtsaftindustrie die Volksgesundheit. Davon profitieren dann verschiedene Wirtschaftszweige, was zur Folge hat, dass die Krankenkassen die Beiträge erhöhen müssen.

Vielleicht diskutieren Sie dieses Thema einmal im Kollegenkreis und starten ein Projekt zur Förderung des Pektins in Fruchtsäften. Ganz nebenbei wirkt Pektin als Trubstabilisator in Fruchtsäften.
 


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Pressentypen und Saftqualität

Frage
Ich hätte einige Fragen über deren Beantwortung ich mich sehr freuen würde. Gab es beim Most qualitative Unterschiede zwischen den einzelnen Pressentypen ? Haben Sie schon einmal probiert nach dem Zerschreddern der Äpfel die Maische einige Stunden stehen zu lassen? Und wenn ja, gab es Unterschiede in der Saftausbeute?

Wir selber haben eine Packpresse, die allerdings etwas zu groß für uns ist (80x80 cm Rostengröße). Wir suchen jemanden, der eine Presse tauschen möchte. Haben Sie eine Idee ob es dafür eine Art Tauschbörse gibt?

Antwort von Wilfried Marquardt am 30.08.2008
Bei den Presssystemen im Hobbybereich gibt es keinen qualitativen Unterschied. Erst wenn die Bandpresse zum Einsatz kommt, erfolgt eine etwa zwei bis vierprozentige Wasseranreicherung des Saftes infolge Verschleppung des Reinigungswassers, mit dem das Band nach jedem Umlauf gereinigt wird. Noch anders verhält es sich bei den Dekanterpressen, die derart fein gesteuert werden können, dass nicht nur alle Trübungspartikel, sondern auch Hefen und Bakterien entfernt werden können. Dies ist besonders bei der Verarbeitung von angefaultem Obst wirtschaftlich interessant, weil der Saft unbelastet von hitzeresistenten Bakterien mit geringeren Temperaturen bzw. unter Kurzzeiterhitzung abgefüllt werden kann. Das spart in Großunternehmen enorme Energiekosten. Solche Säfte sind klar und werden von mir als minderwertig eingestuft.Vereinfachung

Wenn Sie die Maische nur einige Stunden stehen lassen, ist der Mehrgewinn kaum wahrnehmbar. Wie in den verschiedenen Pressentests beschrieben, arbeiten wir im Dreitagestakt.
1. Tag = Obstannahme, waschen und mahlen.
2. Tag = pressen und der
3. Tag ist Heißabfüllung in Flaschen.

Bei diesem Verfahren wird nach einem Tag Maischestandzeit die Saftausbeute im Mittel um 3 % erhöht und gleichzeitig werden die Aromakomponenten im Saft angehoben.
Der aromaschwächste Saft wird produziert, wenn direkt nacheinander das Obst gemahlen, gepresst und anschließend gleich abgefüllt wird.
Die Aromaanreicherung beginnt nach dem Mahlen durch die Sauerstoffanreicherung der Maische. Enzyme und andere mikroskopische Kleinlebewesen nehmen ihre Tätigkeit auf. Wesentlich ist hierbei, Bakterienherde von diesem Prozess auszuschließen. Das regeln Sie, wenn angefaultes Obst konsequent aussortiert wird, und die verwertbaren Früchte mit Trinkwasserqualität gewaschen werden.

Als wir von der Packpresse auf Hydropressen umstellten, wollten wir noch viel Arbeitszeit einsparen und stellten die Hydropressen (Kellergeschoss) unter den Obsthäcksler (Erdgeschoss). Das funktionierte technisch sehr gut und wir gewannen so einen halben Arbeitstag. Damit verzichteten wir auf den Einsatz der Maischesammler und hatten zusätzlich Platz im Pressraum. Bei der Verköstigung des so gewonnenen Saftes stellten wir bei allen Apfelsorten fest, dass der Saft schwach und fade schmeckt.
Die Ursache lag im Verzicht auf die Maischezwischenlagerung von etwa 16 Stunden. Wir setzten die Maischsammler wieder ein und hatten damit die alte Qualität zurück. Meine Vorstellung der Arbeitszeitverkürzung war damit jedoch hin.

Zum Tausch Ihrer Presse schlage ich Ihnen vor, das Tauschangebot im Internet zu veröffentlichen, z.B. http://www.winzer-service.de/ .
 



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Dampfentsafter bei Beerenobst

FrageApfelbeere44
Ich möchte Sie auf diesem Wege um eine Auskunft bitten.
Was können sie mir zum Abbeeren, Quetschen Auspressen und von Aronia, auch Apfelbeere genannt, empfehlen. Ich habe gelesen, dass diese Beeren auf minus 5 Grad gekühlt sein sollten, um gute Pressergebnisse zu bekommen. Wir werden in vier bis fünf Jahren etwa 1000 kg Apfelbeeren zum Pressen haben. Wir sind ein landwirtschaftlicher Kleinbetrieb, der sich ein Nebeneinkommen sucht.

Ich habe übrigens mit grossen Interesse ihre Homepage studiert und danke ihnen ganz herzlich für die ehrlichen offenen Informationen. Das ist heute eine Seltenheit.

Antwort von Wilfried Marquardt am 12.06.2009
Die Verarbeitung der Aronia zu Saft erfolgt nach dem Beerenverfahren wie bei Johannisbeeren, Fliederbeeren und dergleichen. Hierfür gibt es drei Varianten, wobei die erste und zweite Variante sich nur in der Vorbehandlung unterscheiden:

  1. Kaltverfahren ohne Zutaten
    Die gereinigten Beeren werden zwischen minus 5 bis 10 Grad gefroren. Dadurch werden die Fruchtzellen aufgebrochen, wodurch sich eine Saftausbeute zwischen 75 bis 80 % ergibt. Die aufgetauten Beeren werden mit dem Quirl oder der Walzenmühle kurz gemaischt und dann in Lagen von 2,5 cm Schichtstärke abgepresst.
    Der so gewonnene Saft ist relativ farb- und aromaschwach mit geringen Anteilen von Pektin.
     
  2. Kaltverfahren mit Zutaten
    Die gereinigten Beeren werden erntefrisch mit Walzenmühle oder Quirl gemaischt. In die Maische wird ein Pektin spaltendes Enzym (Antigel, Pektinex etc.) nach Herstellervorgabe eingerührt. Je nach Maischetemperatur beträgt die Wirkzeit des Enzyms 1 bis 12 Stunden, bevor die Fruchtzellen aufgebrochen und Fruchtfarbe mit Aroma akzeptabel freigesetzt sind. Danach wird in Lagen von 2,5 cm Schichtstärke abgepresst. Die Saftausbeute liegt bei 78 bis 83 %.
    Der Saft ist aromatisch und farblich akzeptabel, jedoch ohne Pektin.
     
  3. Heißverfahren mit Wasserdampf
    Die gereinigten Beeren werden erntefrisch in einen Dampfentsafter gegeben und mit Wasserdampf entsaftet.
    Der Saft ist sehr aromatisch und dunkelfarbig mit hohem Pektingehalt.

Von den drei Varianten empfehle ich Ihnen das Heißverfahren. Bei Mengen von 1.000 Kg Beeren werden Sie mit den Haushaltsentsaftern wohl in Zeitnot geraten. Hilfsweise könnten Sie sich einen größeren Entsafter mit 50 Liter Füllung oder mehr, selber nachbauen und gleich für Gasbetrieb auslegen.Beerenrupfer

Zum Abbeeren der Sträucher ist nach wie vor Handarbeit gefordert. Die mir bekannten Erntemaschinen für Plantagen sind nur bedingt tauglich, weil die Sträucher bei der Ernte derart geschädigt werden, dass nur jedes dritte Jahr geerntet werden kann.

Die Handarbeit kann aber mit einem Beerenrupfer unterstützt werden. Anbei ein Foto von zwei Modellen, die ich mir 1977 mal für Heidelbeeren bastelte. Ob die Beerenrupfer auch zur Ernte von Aronia tauglich sind, ist auszuprobieren. Wenn die Stiele beim Kämmen mit abgerissen werden, ist die Nacharbeit der Auslese zu aufwändig. Auf jeden Fall dürfen die grünen Stiele nicht mitverarbeitet werden, weil sonst die darin enthaltenen Bitterstoffe den Saft abwerten.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der weiteren Umsetzung Ihres Vorhabens.


Ergänzungsfrage am 15.06.2009
Vielen herzlichen Dank für die detaillierten Angaben. Bezüglich dem Dampfentsafter mache ich mir einige Überlegungen. Als ganz praktisch scheint mir dieses Verfahren, da ich den Saft gleich in 5 Liter Bag in Box abfüllen könnte. Erhitzen zum Pasteurisieren muss ich  ja ohnehin.

Ich habe dazu noch zwei Fragen:
Als erstes ist mir die Qualität sehr wichtig. Aronia hat ja sehr viele Antioxidantien und Sekundärwirkstoffe und soll sehr für die Erhaltung der Gesundheit dienlich sein. Der Direktsaft wird auch bei verschiedenen Erkrankungen erfolgreich eingesetzt. Klar ist, dass ich an der Pasteurisierung nicht vorbeikomme. Gibt es einen nennenswerten Unterschied in der Qualität zwischen Dampfentsaften und Pasteurisieren?

Nun zur zweiten Frage:
Können sie mir Hinweise geben, wie ich den Bau einen grossen 50 Liter Dampfentsafters angehen soll? Auf was ist von der Konstruktion her besonders zu achten?

Wir haben auf unserem Hof fast unbegrenzt Brennholz zur Verfügung und auch der Platz für eine Anlage ist kein Problem.

Für ihr Bemühen schon mal herzlichen Dank. Bis jetzt habe ich noch von niemandem so kompetente Antworten auf meine Fragen bezüglich Aronia erhalten!

Antwort von Wilfried Marquardt am 17.06.2009
Ihre Entscheidung zum Dampfentsafter ist die einzig richtige Wahl für einen hochqualitativen Beerensaft.

Beim Dampfentsaften entstehen sehr hohe Temperaturen, die eigentlich zum Abfüllen gleich mitgenutzt werden könnten, wenn da nicht noch was anderes wäre, wenn der Saft aus dem Entsafter nicht gesammelt, sondern während des Dampfentsaftens direkt in Flaschen gefüllt wird:
Wird der Beerensaft direkt beim Dampfentsaften in Flaschen abgefüllt, enthält die erste Flasche mehr Aromastoffe etc., als die zuletzt abgefüllte. Der Saft wird zum Ende des Entsaftens dünner. Diesen Nachweis können Sie mit der schlichten Oechslewaage selbst erbringen.

Für gleichbleibende bzw. gleichmäßige Qualität sollten Sie den Saft nicht während des Dampfentsaftens abfüllen, sondern erst am Ende. Beim parallelen Einsatz mehrerer Dampfentsafter ist der Saft zu sammeln, kurz rühren und dann bei ca. 65 °C in Flaschen mit 0,7 Liter Inhalt abfüllen. Am nächsten Tag nehmen Sie die Etikettierung mit ansprechenden Etiketten vor.

Etwas Grundsätzliches
Mit dem Dampfentsafter erzeugte Beerensäfte sind hochpreisige Muttersäfte, die weder in 5 Liter- noch in 1 Liter-Behältnisse abgefüllt werden. Und schon gar nicht in Bag in Box. Ausnahmen nur, wenn der Saft an weiterverarbeitende Betriebe abgegeben wird. Wenn Sie an Privat verkaufen, dann in 0,7 oder 0,5 Literflaschen. Andernfalls wird Ihr Saft von der Kundschaft als minderwertig und billig eingestuft. Der Absatz ist schleppend und der Saft kann nur unter dem Realpreis verkauft werden. Sie kommen dann bei Ihrer Jahresbilanz auf einen Stundenlohn von 30 Cent.

An diesen wenigen Ausführungen von mir erahnen Sie, dass noch einiges an Investitionen und Organisation auf Sie zukommt.

Abfüllvarianten nach Abschluss des Dampfentsaftens

  1. Bei Einsatz von Haushaltsdampfentsaftern mit 10 Liter Fruchtkorb wird die Saftmenge aus Beeren so um die 5 Liter sein. Somit könnte die gesammelte Menge des Entsaftertopfes vollständig in Bag in Box gefüllt werden.
     
  2. Soll in Flaschen gefüllt werden, wird der Saft aus den parallel betriebenen Entsaftern wahlweise in einen Edelstahlbehälter mit unterem Ablassventil geleitet oder es wird von den einzelnen Entsaftern über den vorhandenen Schlauch abgefüllt. Anstelle der Schlauchklemmen sollten dann Füllventile gesetzt werden, weil diese die Handmuskel schonen.

Nach jedem Entsaftungsintervall wird der Saft im Entsaftertopf kurz gerührt und danach abgefüllt. Die Temperatur des Saftes darf hierbei bis 65 °C abgesunken sein.

Flasche nach aufsetzen des Verschlusses einmal stürzen nicht vergessen. Bei Bag in Box sind die Luftblasen vor dem Verschließen herauszustreichen.

Der Eigenbau eines großen Dampfentsafters
ist nur sinnvoll, wenn Sie über fast kostenlose Materialien verfügen und Metallhandwerker mit entsprechender Werkzeugausstattung sind. Industrieelle Dampfentsafter arbeiten mit Hochdruckdampfkesseln. Diese Anlagen sind für Sie von der Kostenseite wegen zu geringer Auslastung unwirtschaftlich.
Hochdruckdampf wird erforderlich, wenn der Füllkorb für die Beeren über eine Höhe von 40 cm hinausgeht. Die Dichte und das Eigengewicht der Beeren lässt den statischen Dampf dann nicht mehr durch. Hiergegen muss der Dampf dann mit Druck arbeiten. Die Kessel sind somit völlig anders gefertigt, als die Haushaltsdampfentsafter. Bei einem 50-Liter-Entsafter müsste das Gerät für statischen Dampf entsprechend in der Breite ausgelegt werden und nicht in der Höhe. Wenn dies nicht bedacht wurde, ist das Ergebnis eine geringe Saftausbeute bei überlanger Kochzeit mit Wasser nachfüllen. Gleiches geschieht, wenn man in der Kochzeit ungeduldig ist und die Beeren zwischendurch mal umrührt. Dann werden die Beeren zu Mus und sie verdichten sich.

Wenn Sie mit offener Feuerstelle arbeiten wollen,
finden Sie im Internet die einfachen Dampfentsafter für 20 bis 40 Euro das Stück. Beschaffen Sie sich davon 10 Stück und setzen diese je nach Mengenanfall ein. Preiswerter kann die Grundgeräteausstattung auch nicht selbst hergestellt werden. Wie weit Ihre Holzfeuerung hier effektiv eingesetzt werden kann, vermag ich aus Unkenntnis der Heizkraftführung nicht zu beurteilen. Ich hätte mir solide Einzelgaskocher aus dem Technik-Kaufhaus beschafft oder mir die Brenneinheiten aus gebrauchten und ausrangierten Gasherden neu zusammengestellt und mit Propangas betrieben.


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Weintrauben verarbeiten

Frage
Jetzt brauche ich nochmals ihren Rat, bevor ich eine Fehlinvestition tätige...

Meine bisherige Kaufentscheidung:
- eine Rätzmühle von Voran für Äpfel, Birnen und Quitten
- eine Rink-Packpresse TP 70

Da sich nun herausgestellt hat, daß ich in Zukunft auch etliche Kilo Wein jährlich zu pressen habe, ist nun die Frage, ob das mit der Packpresse problemlos funktioniert oder ob eine Korbpresse in diesem Fall besser ist. Die Presse lässt sich ja dann bei Bedarf auch umrüsten.

Haben Sie auch Erfahrung mit einer Abbeermaschine? Ist der Qualitätsunterschied wirklich so deutlich zu nicht entrappten Trauben?

Antwort von Wilfried Marquardt am 24.08.2009
Mit der Packpresse können Sie alles Obst und somit auch Beerenobst pressen. Die unterschiedlichen Techniken der Pressen habe ich bereits unter F&A-Presstechnik und "Pressentest" erläutert.

Ihre Weintrauben wollen Sie doch sicherlich ebenfalls mit der Rätzmühle zerkleinern und dann die Maische abpressen?
Es ist sehr zeitsparend, die ganzen Trauben mit den Kämmen in die Mühle zu geben. Den daraus gewonnenen Wein werden Sie wegen des Bitterbeigeschmacks jedoch nicht genießen wollen. Mit der Rätzmühle werden auch die Kämme der Trauben zerrissen und gerieben, so dass die dabei freigesetzten Gerbstoffe in den Saft gelangen. Die Menge ist zwar gering, so dass daraus keine höhere Saftausbeute zu verzeichnen ist, aber geschmacklich ist die Beigabe deutlich streng. Von einem reintönigen Wein kann dann nicht mehr gesprochen werden und solch ein Wein wird sicherlich kein Prädikat erreichen.

Wird eine Walzenmühle mit Walzenabstand von etwa 3 mm eingesetzt, bleiben die Kämme relativ unversehrt und der vorerwähnte Nebengeschmack ist kaum vorhanden. Derartige Maischen lassen sich zügiger abpressen, weil die Kämme den Saftabfluss begünstigen. Quantitativ ergibt sich hierbei eine geringere Saftausbeute. Die Kämme liegen kreuz und quer und fangen so als Gerüst den Enddruck ab, der bei den Beeren dann nicht mehr ankommt.

Manuelle Abbeermaschinen
lohnen erst bei Ernten ab 200 Kg. Bis dahin können Sie sich mit einem selbst gefertigten Abbeerrost behelfen. Bauen Sie sich einen Holzrahmen ca. 30 x 50 cm mit überstehenden Holmen als Auflage für einen Behälter (Wanne, Bütt etc). Den Rahmen bespannen Sie mit einem Drahtgitter aus Edelstahl, Maschenweite entsprechend der Beerengröße (10 bis 20 mm).

Zum Abbeeren Latexhandschuhe benutzen. Mit rechter Hand die Traube fassen und hinten auf das Gitter legen. Mit linker Hand auf die Traube pressen und gleichzeitig mit der anderen Hand die Traube vorziehen. Dabei werden Die Beeren vom Kamm abgerissen und fallen schon teils zerquetscht in den untergestellten Behälter. Anschließend die Beeren in die Rätzmühle mit großer Lochscheibe, für weiches Obst, geben.

Falls Ihnen die Kosten und der Aufwand für den Eigenbau nicht zusagen, greifen Sie zur handbetriebenen Abbeermaschine von Rink für derzeit 328,00 Euro.


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Qualitätsmerkmale des Dampfentsafters

Frage
Ich möchte das erstemal Apfel- und Birnenmost durch einen Dampfentsafter herstellen. Ich hatte auf einer anderen Internetseite gelesen, dass man 1:1 Zucker zugeben muss. Das erscheint mir sehr viel. Muss ich?
Und interessiert las ich bei Ihnen von der Zugabe des pektinspaltenden Mittels. Könnte ich das auch bei dem Dampfentsafter einsetzen um mehr pektinhaltigen Saft zu bekommen? Danke für Ihre Bemühungen und Ihre interessante Internetseite.

Antwort von Wilfried Marquardt am 22.09.2009
Der Dampfentsafter ist das geeignete Gerät, um aus Beerenfrüchten ansprechenden Saft zu gewinnen, weil durch den Heißdampf die Farb- und Aromastoffe optimal aus den Beeren gelaugt werden. Werden Beeren, gleich welcher Art, gemahlen und anschließend kalt gepresst, entsteht daraus ein hellfarbener Saft mit geringem Aroma.

Wird Kernobst mit dem Dampfentsafter verarbeitet, eignet sich dieser Saft bestens für die Weiterverarbeitung zu Gelees, Dessertsoßen usw., jedoch weniger als Trinksaft. Über den Heißdampf wird auch noch ein hoher Anteil Pektine in den Saft überführt, der beim Verzehr den Saft dickflüssiger erscheinen lässt. Durch die hohen Entsaftungstemperaturen stellt sich noch ein karamelartiger Nebengeschmack ein, der jedoch gern angenommen wird.

Auf jeden Fall ist ein mit dem Dampfentsafter gewonnener Apfelsaft geschmacklich nicht mit einem kalt gepressten Apfelsaft vergleichbar, bei dem das Aroma der jeweiligen Apfelsorte noch deutlich wahrgenommen wird.

Für mich ist nicht nachvollziehbar, aus welchem Grund beim Dampfentsaften den Früchten überhaupt Zucker zugegeben werden soll. Meine bereits vor 35 Jahren erfolgten Entsaftungsübungen bei Äpfeln mit dem Dampfentsafter ergaben die gleiche Saftausbeute mit oder ohne Zuckerzugabe. Die Apfelsäfte mit Zuckerzugabe von 50 Gramm pro KG Frucht empfanden wir in der Familie bereits zu süß, so dass diese Säfte von vorneherein mit Trinkwasser verdünnt werden mussten.

Äpfel haben in der Regel ihre natürliche Süße, so dass eine Zugabe von Raffinadezucker nicht nur aus geschmacklicher, sondern auch aus gesundheitlicher Sicht entbehrlich ist. Im Einzelfall kommt es auf die Fruchtsorte mit der fruchtspezifischen Süße an.

Wenn in Ihrem Rezept aus dem Internet auf 1 Kg Frucht sogar 1 Kg Zucker vorgegeben ist, wäre dies ein Rezept für die Geleeherstellung, jedoch nicht für Trinksaft. Probieren Sie das aber mal ruhig aus und bewerten das Ergebnis selbst.Alu-Dampfentsafter

Mit den pektinspaltenden Mitteln (z.B. Antigel) wird das jeweils angrenzende Pektingerüst der Fruchtzelle zerstört, so dass der Fruchtsaft aus der Fruchtzelle frei ablaufen kann. Hierfür muss das Antigel an jede geschlossene Zelle gebracht werden, damit es dort zerstörerisch wirken kann. Optimal wirkt das Antigel bei fein geriebenen Äpfeln, jedoch nicht erkennbar bei Apfelstücken.

Merke: Mit pektinspaltenden Mitteln wird Pektin zerstört. Was zerstört ist, kann auch nicht woanders hingeleitet werden, weil es nicht mehr vorhanden ist.

Wenn Sie jetzt Ihr Kernobst fein reiben, in den Fruchtbrei Antigel einrühren und das Ganze in den Dampfentsafter geben, werden Sie von dem Trub und der geringen Saftausbeute enttäuscht sein.

Entweder arbeiten Sie mit dem Dampfentsafter und verwenden Fruchtstücke oder wenden das Kaltverfahren mit Fruchtbrei und Antigel nach Herstellervorgabe im Filtertuch an.

Bedenken Sie bitte, dass Pektin gesundheitlich wertvoll ist. Bei Einsatz von pektinspaltenden Mitteln ist im Saft kein Pektin mehr vorhanden.

Im Anhang gebe ich Ihnen die „Gebrauchsanweisung“ unseres in den fünfziger Jahren beschafften Dampfentsafters zur Kenntnis. Dort wird für Äpfel eine Zuckerzugabe von 20 bis 50 Gramm je Kilo Frucht empfohlen. Bei Birnen sind es 20 Gramm.


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Materialwahl für Lebensmittelbehältnisse

Frage
Ich habe mir eine Frage gestellt, die sich vielleicht eher an einen Lebensmittelchemiker richtet, aber mich würde Ihre Meinung als Praktiker sehr interessieren.

Ich mahle meine eigenen Äpfel mit einer Handmühle und presse dann mit einer Packpresse Saft zum Eigenverbrauch. Bisher habe ich das Mahlgut bis zum Pressvorgang einfach in einer IKEA-Kunstoffwanne aus Polypropylen zwischengelagert. Da ich beabsichtige, mir nächstes Jahr einen Musermax zu kaufen und etwas größere Mengen zu verarbeiten frage ich mich, ob so eine Kunststoffwanne lebensmittelecht ist bzw. wie wichtig es aus Ihrer Sicht ist, für diese Zwischenlagerung des Mahlguts eine lebensmittelechte Wanne zu verwenden? Ich hätte auch noch eine verzinkte Stahlwanne. Da bin ich mir aber auch nicht sicher, was die Fruchtsäure so alles anstellen kann.

Antwort von Wilfried Marquardt am 01.11.2009
Ihre Maischewanne aus Polypropylen (PP) ist physiologisch unbedenklich und auch beständig gegenüber den Lebensmittelsäuren wie z.B. Apfelsäure, Weinsäure und Zitronensäure. Die Eigenschaften von PP sind: Flexibel-hart, unzerbrechlich, in der Kälte jedoch nur bedingt schlagzäh, geschmacksneutral. Wegen seines hohen Schmelzpunktes ist PP auch zur Heißabfüllung geeignet. Das Material ist somit lebensmittelecht, weil es gegenüber Lebensmitteln widerstandsfähig ist.

Dagegen ist eine verzinkte Wanne nicht lebensmittelecht, weil die Fruchtsäuren die Zinkschicht nach und nach lösen und Ihre Blechwanne nach einigen Jahrzehnten der herbstlichen Nutzung Lochfraß zeigt.

So weit zur Lebensmitteltauglichkeit Ihrer Frage.

*******************

Wesentlicher als die Lebensmitteltauglichkeit des Materiales ist jedoch die gesundheitliche Wirkung auf das darin zwischengelagerte Lebensmittel "Fruchtmaische".Opak

Bei PP im naturfarbenen opak kann eine gesundheitliche Beeinträchtigung ausgeschlossen werden. Die in PP und anderen Kunststoffen vorhandenen Weichmacher diffundieren nicht kurzzeitig aus, sondern über einen Zeitraum von Jahrzehnten. Das Material wird spröder und bricht dann irgendwann bei Biegebelastung.

Gesundheitlich bedenklich kann eingefärbter Kunststoff sein. Hier kommt es auf den verwendeten Farbstoff an. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an wiederkehrende Testberichte der Zeitschrift Öko-Test, in denen Giftstoffe bei einigen Farbmischungen festgestellt wurden, die an das kontaktierte Lebensmittel übergehen.

Weil ich als Käufer nicht einschätzen kann, ob die eine oder andere Färbung meines in der Mosterei eingesetzten Kunststoffbehälters gesundheitlich schädliche Einflüsse auf das Lagergut haben könnte, wähle ich immer das weißliche opak. Aus hygienischer Sicht ist dieser Farbton auch ansprechender und Schmutzüberzüge sind bei der Reinigung leichter zu erkennen.

Wenn Sie die Zinkwanne als Maischesammler einsetzen, wird die Fruchtsäure Zink lösen, das dann im Saft nachweisbar ist. Nach "Römpp-Lebensmittelchemie" 9. Auflage 1995, können hohe Zinkzufuhren toxisch sein. Beim Genuss saurer Speisen aus verzinkten Gefäßen sind früher Zinkvergiftungen bekannt geworden.
Ich denke, Sie sollten die verzinkte Wanne nicht als Maischesammler einsetzen.


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Dickflüssiger Saft

Frage:
Ich presse meine Äpfel mit einer Speidl-hydro-40 Liter. Das Ergebnis ist ein sehr, sehr dickflüssiger Apfelsaft.
Jede Filterung (durch Schwerkraft mit Faltenfilter) ist aufgrund sofortiger Verstopfung der Filter zwecklos. Ich will den Apfelsaft ja nicht glasklar, aber so eine dickflüssige Brühe …….
Kann die Ursache am Obst liegen, oder ist es der Pressdruck, oder der Presssack? Welche Ursachen kann das haben?

Kann man vor dem Abkochen den Saft mit Wasser verdünnen? Macht es Sinn einen feinmaschigeren Presssack zu verwenden, und gibt es den überhaupt? Wie bekomme ich den Saft letztendlich dünnflüssiger?

Antwort von Wilfried Marquardt am 18.09.2010:
Verstehe ich Sie richtig, dass Sie mit „dickem Saft“ besonders trüben Saft mit Fruchtfleischanreicherung meinen?

Lagerobst_pressen

So sieht der Presskorb einer Hydropresse aus, wenn überreifes oder Lagerobst gepresst wird. Der ablaufende Saft enthält feinen Fruchtbrei.

Wenn das so ist, wurde entweder überreifes Obst oder Lagerobst bzw. welkes Obst verarbeitet. Derartiges Obst ist für die Entsaftung ungeeignet. Selbst ein Anteil von 10 % der Gesamtmenge an überreifen oder Lagerobst wirkt sich schon deutlich trubstark auf den Saft aus.

Die Ursache ist also nicht die Presse, Mühle oder andere Geräte, sondern Ihre fehlende Qualitätsprüfung des Obstes hinsichtlich des Reifegrades vor der Verarbeitung. Allein die Prüfung nützt nichts, wenn überreifes, wie auch angefaultes Obst nicht konsequent aussortiert wird.

Der aus vollreifen/überreifen Äpfeln oder Birnen gewonnene Saft hat eine hervorragende Qualität mit bestem Aroma. Lediglich die Verarbeitung ist außerordentlich zeitaufwändig. Wenn das für den Eigenbedarf produziert wird, ist es noch tolerierbar. Wenn jedoch im Nebenerwerb Geld erwirtschaftet werden soll, ist der dreifache Zeitaufwand nicht zu rechtfertigen.

Auf keinen Fall sollten Sie Ihren hochwertigen, mit Fruchtfleisch angereicherten Saft vor der Abfüllung mit Wasser verdünnen. Das können Sie später immer noch tun. Die Firma Eckes-Granini hat mit ihrem Graninisaft gerade wegen des hohen Fruchtfleischanteiles im Saft den damals bahnbrechenden und heute noch andauernden Erfolg. Erstmals ließ sich Saft neben dem gewohnten Trinken auch „beißen“. Der Unterschied zwischen Ihrem Apfelsaft und dem Graninisaft besteht bei der Akzeptanz weniger in den Aromakomponenten, sondern in der sichtbaren Trubstabilität des Graninisaftes. Wenn Sie so wollen, liegt bei Ihrem Apfelsaft lediglich eine optische Beeinträchtigung wegen fehlender Trubstabilität vor.  Das ist aber kein qualitativer Saftmangel, so lange eine allgemeine Feintrubstabilität vorliegt. Einen Qualitätsmangel würde Ihr Saft haben, wenn der Trub bereits nach einer Woche Flaschenlagerung voll ausfällt und am Flaschenboden lagert. Dann  haben Sie neben den vielen überreifen Äpfeln auch einen erheblichen Anteil unreifer Äpfel einer anderen Sorte mitverarbeitet.

Mit einfachen Haushaltsmitteln aus dem Hobbybereich lässt sich stark trubhaltiger Saft nicht klären. Hier hilft nur, eine Nacht kühl stehen lassen und am nächsten Tag die trubärmere Saftschicht zur Flaschenabfüllung abheben. Der dickere Fruchtschlamm kann dann der Weinbereitung zugeführt werden. Im Gärfass hat es dann Zeit genug zum Absetzen und Klären.

Gewerbebetriebe setzen zur Klärung Separatoren und inzwischen immer häufiger Kantenspaltfilter ein. Derartige Ausgaben lohnen natürlich nur für Lohnmostbetriebe, die durchgängig in der Saison tätig sind.

Zum vorgenannten Thema lesen Sie bitte auch die Beiträge unter

  • F&A-Mahltechnik: Feinheitsgrad der Obstmaische“ und „Überreifes und welkes Obst verarbeiten“
  • F&A-Saftbereitung: „Trüben Saft klären“.
  • F&A-Sortenwahl: „Mischsaft aus unterschiedlichen Reifegraden“.


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Frühe Trubausfällung

Frage
Ich mache seit 5 Jahren meinen eigenen Apfelsaft und seit 2 Jahren fülle ich ca. 400 bis 500 Liter in Bag-in-Box ab. Ich habe immer das Problem, dass der Saft nicht stabil trüb bleibt und nach ca. 4 bis 5 Monaten setzt sich der Trub ab. Weitere 4 bis 5 Monate später bildetet sich Schleim aus dem Trub.

Vorgehensweise:

  • Äpfel werden von Hand aufgelesen und gleich auf Faule stellen kontrolliert
  • Äpfel werden in einer 1100 Liter Bütte gewaschen
  • Mit einer Schabermühle gemahlen
  • Per Packpresse ausgepresst
  • Im 600 Liter-Tank über Nacht stehen lassen
  • Saft wird von oben abgezogen
  • Auf ca 80C° erhitzt und direkt abgefüllt

Haben Sie einen Tipp für mich was und wo ich einen Fehler mache?

Antwort von Wilfried Marquardt am 23.09.2010

Trubstabilitaet

Der Quittensaft in der linken Flasche wurde vor 5 Wochen abgefüllt. Die Feintrübung ist derzeit noch gleichmäßig verteilt und ohne erkennbare Trubausfällung am Flaschenboden.

Der Quittensaft in der mittleren Flasche wurde vor 13 Monaten abgefüllt. Der Saft hat sich inzwischen selbst geklärt. Am Flaschenboden ist das Trubdepot deutlich sichtbar.

Der Quittenwein in der rechten Flasche wurde blank gefiltert. Die Flasche wurde zum Trub- Vergleich dazugestellt.


In der von Ihnen beschriebenen Vorgehensweise ist das Problem der frühen und vorzeitigen Saftklärung nicht begründet.

Es ist ganz normal, dass sich die Trubteile des Saftes im Laufe der Zeit absetzen. Je reifer der Apfel verarbeitet wird, um so trüber, aber auch trubstabiler ist der daraus gewonnene Saft. Saft aus reifen Äpfeln bleibt etwa 1 Jahr feintrubstabil. Danach klärt sich auch dieser Saft weiter aus. Die Trubschicht lagert am Boden und verfestigt sich. Wird solch ein Gebinde nach 2 Jahren aufgeschüttelt, wirbeln Flocken aus verfestigten Trubteilchen im Saft, welches wenig ansprechend aussieht. Das war es dann aber auch schon. Außer der optischen Beeinträchtigung liegen keine weiteren Mängel vor.

Wenn Ihr Saft bereits nach 5 Monaten völlig klar ist, deutet dies darauf hin, dass bei der Obstverarbeitung eine gehörige Portion unreifer Äpfel mit verarbeitet wurde. Ohne Ihren Saft gesehen zu haben vermute ich, dass es sich bei dem von Ihnen beschriebenen Schleim in Wirklichkeit um Pektin-gebundene Trubstoffe handelt, das sich geschmacklich nicht negativ auswirkt.

Stellen Sie meine Annahme auf den Prüfstand und sortieren Sie unreifes Obst konsequent aus. Verlassen Sie sich bei der Reifeprüfung nicht auf die Angaben von Obstbauern. Die haben ein anderes Verständnis zur Reife als wir Fruchtsafthersteller. Siehe auch meinen Bericht "Begriffsbestimmung Pflückreife und Genussreife” unter F&A-Sortenwahl.

Sollte meine vorgenannte Ursachenannahme nicht zutreffen und der Trubschleim zäh und mit Fäden versehen sein, sprechen Sie mich bitte noch einmal an. Schildern Sie mir dann bitte die Verarbeitungsschritte mit der dazu gehörenden Betriebstechnik:

  • verwendete Obstqualität, Fallobst mit Erde behaftet oder Pflückobst, wurden angefaulte Äpfel konsequent verworfen?
     
  • Obstwäsche, wie wird mit was gewaschen und wann erfolgt Wasserwechsel?
     
  • Mit welchen Systemen wird der Saft erhitzt und abgefüllt?
     
  • Wie hoch ist die tatsächliche Abfülltemperatur sofort nach befüllen des Beutels?
     
  • hat sich der Saft geschmacklich verändert? Wenn Ja, nach was schmeckt die Veränderung? Wohin hat sich die Säure verändert oder ist sie gleich geblieben?

...und bedenken Sie bitte, dass meine Beurteilung nur so viel taugt, wie umfassend und vollständig Sie Ihre  Produktions-Abläufe und die Betriebstechnik beschrieben haben.


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Qualität des Fruchtsaftes

Frage:
Zum Apfelsaft (Süssmost) habe ich noch eine Frage. Ich stelle mir das so vor, dass ich nach dem Pressen den Saft auf Zucker und Säure teste und dann die Werte anpasse – mit welchem Zucker (Fructose, Glucose, Saccharose) und mit welcher Säure (Apfelsäure, Citronensäure, Milchsäure…)
Denn zu der Qualität der Äpfel kann ich wenig sagen, denn die Äpfel (meines Onkels, das ist meine Quelle), sind bisher in der Mosterei abgegeben worden und die haben einen sehr wohlschmeckenden Verschnitt daraus gemacht. Ob in der Mosterei Zucker und Säure angepasst werden, weiß ich nicht. Ohne Anpassung wären ja sonst manche Äpfel auch nicht zur Saftproduktion geeignet, oder?

Dann noch eine Frage, der Saft wird ja an der Luft schnell braun, kann/soll man das mit Ascorbinsäuregabe verhindern?

Antwort von Wilfried Marquardt am 28.09.2010
Zur Saftaufbereitung
Wenn Sie den Saft auf Grad Oechsle und Säure feststellen, hilft das für weitere Beurteilungen und bei der Weiterverarbeitung zu Obstwein. Hauptsächlich macht es Sinn, wenn Apfelsäfte nach Sorten getrennt verarbeitet und abgefüllt werden. Diese Vorgehensweise unterscheidet den Hobbymoster deutlich von den gewerblichen Mostereien.

Es gibt jedoch keinen vernünftigen Grund, Apfelsaft mit Zucker oder Säure nachzubessern. Jede Sorte hat sein typisches Aroma, seinen Zucker- und Säurewert. Wenn da etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist, wurden sicherlich unreife Früchte verarbeitet. Denen fehlt Zucker, sie haben zu hohe und zu scharfe Säure und ein flaues Aroma rundet die Negativempfindungen ab.

Auch gewerbliche Mostereien bessern den Saft nicht nach. Der Mix von vielen Lieferanten und Sorten ergibt bei den Gewerblichen einen akzeptablen Apfelsaft, jedoch ohne hervorragende Aromen, Süßen oder anderen Genusskomponenten.

Qualitätsprüfung
Wenn ich von Qualitätsprüfung des Obstes in der Mosterei spreche, bezieht sich die Prüfung auf …Erdkontakt

  • den Reifezustand der jeweiligen Fruchtsorte. Wenn im Garten verschiedene Apfelbäume abzuernten sind, handelt es sich gewöhnlich um verschiedene Sorten mit unterschiedlichen Reifezeiten, die zu berücksichtigen sind
  • äußerlich erkennbare Faulstellen. Faulstellen sind nicht auszuschneiden, sondern die angefaulte Frucht ist auszusondern
  • äußerliche Verschmutzung des Obstes. Fallobst, dass mehrere Tage auf nackter Erde lag und an denen noch Erdreste anhaften, beherbergen bereits höhere Koloniezahlen von Erdbakterien. Diese Bakteriengattung ist relativ Hitzeresistent und lebt erst richtig bei 60 bis 70 Grad Celsius auf. Erst Temperaturen um 90 °C und mindestens 30 Minuten lang, reduzieren sie. Derartige Früchte sind auszusondern
  • äußerliche Unversehrtheit der Früchte. Zeigt die Frucht Schürfstellen oder ist sie aufgeplatzt, liegen dort Verschmutzungen mit Schimmelpilzen vor. Die Früchte sind auszusondern.

Alle Punkte der vorgenannten Qualitätsprüfung sind von jedem Safthersteller vor der Verarbeitung abzuarbeiten. Hierbei ist es unerheblich, ob das Obst vom Onkel kommt oder von Nachbarn oder Fremden angeliefert wird.

Braunfärbung des Saftes
Weil unser Kernobst im Gegensatz zu Zitrusfrüchten über wenig Vitamin C verfügt, wird der Saft infolge Oxidation schnell braun. Die Bräunungsreaktion (Alterung) wirkt sich im Laufe der Zeit auch leicht geschmacklich aus. Dies ist aber auch abhängig von Licht und Umgebungswärme des gelagerten Saftes. Im Winzerbereich wird gegen Oxidation (und hauptsächlich gegen die Fäulnisbakterien) im Wein, das hochgiftige Schwefel verwendet.

Wenn Sie die Qualitätsprüfung ordnungsgemäß durchgeführt haben, brauchen Sie sich das mit dem Schwefel nicht antun, auch nicht später in Ihrem Obstwein. Gegen die Oxidation im Wein oder Saft sollte das gesundheitlich zuträgliche Vitamin C (Ascorbinsäure) verwendet werden. Für eine Stabilisierung von 2 Jahren genügt bereits eine Zugabe von 50 Milligramm pro Liter.

Bei diesem Hinweis fällt mir eine Beurteilung eines Pomologen in einem seiner Schriften ein, als er gerade über Schummeleien in Mostereien wettert. Danach ist dieser Kollege fest davon überzeugt, dass die Mostereien den fehlenden Säurewert in den Apfelsäften mit Ascorbinsäure anheben.

  • Als Erstes stellt sich mir die Frage, in welcher Mosterei überhaupt ein Apfelsaft mit zu geringer Säure anfallen kann, wenn grundsätzlich alle Apfelsorten durcheinander verarbeitet werden und in diesem Zusammenhang noch einiges an unreifen und damit übersauren Äpfeln dabei ist.
     
  • Würde aber ein Safthersteller, ob Privat oder gewerblich, Ascorbinsäure zur Säureanhebung seines trüben Birnensaftes wegen des geringen Säurewertes verwenden, dann würde sein Birnensaft hell ausgefärbt wie unreine Milch aussehen. Wie oben bereits ausgeführt, ist Vitamin C ein Oxidationskiller. Es genügen zur Aufhellung bereits 50 Milligramm pro Liter. Um den Säurewert eines Saftes anzuheben bedarf es jedoch 2 bis 3 Gramm pro Liter. Das wäre also die 40- bis 60-fache Ladung von einer normalen Aufhellung zur Stabilisierung. Solch ein weißlich heller Saft würde nicht mehr produkttypisch aussehen und wäre nach unseren Rechtsregeln nicht mehr verkehrsfähig.

Bevor Sie Vitamin C bei sich einsetzen, probieren Sie es vorerst einmal ohne Zutaten aus. Er wird auf jeden Fall 2 Jahre stabil bleiben. Der Bernsteinton hat auch seinen Reiz.

Außer dem vorgenannten chemischen Verfahren zur Saftaufhellung gibt es noch das physikalische Verfahren. Rufen Sie sich  noch einmal die Einflussbedingungen einer Saftoxidation in Erinnerung. Es sind Licht, Wärme, Sauerstoff und Zeit. Auf Licht, Wärme und Zeit hat der Saftproduzent keinen Einfluss, sondern der Kunde, bei dem das Produkt lagert. Als Saftproduzent, der Sie dann ja auch sind, haben Sie aber bei der Produktion noch Einfluss auf eine unbestimmte Menge von Sauerstoff in der abgefüllten Flasche. Während des Verarbeitungsprozesses reichert sich Sauerstoff im Rohsaft an und verfärbt ihn entspechend. Wird dieser Saft erhitzt, wird er heller. So die einfache Feststellung. Über den Erhitzungsvorgang werden im Saft eingelagerte Sauerstoffmoleküle aufgebrochen, die dann zur Oberfläche perlen. Hierbei werden Oxidationspigmente in Schaumform mitgenommen und lagern an der Saftoberfläche ab. Je nach System des Erhitzers und Abfüllers variiert die Menge der gelösten Sauerstoffmoleküle.

Wenn Sie mit Ihrer Mostspirale den Saft erhitzen und anschließend direkt in Flaschen abfüllen, erhalten Sie einen schön getönten Apfelsaft. Die über die Hitze im Aufbruch befindlichen Sauerstoffteilchen haben zeitlich wenig Gelegenheit zur Ausfällung an der Saftoberfläche, weil der Saft direkt nach der Erhitzung in die Flasche läuft und abschließend die Flache verschlossen wird. Es ist nur eine leichte Aufhellung gegenüber dem Rohsaft festzustellen.

Probieren Sie es einmal aus und leiten den Saft aus der Mostspirale in einen Vorlagebehälter mit Schwimmerventil gegen Überlaufen. Der Vorlagebehälter könnte ein 10-Litertopf mit Deckel sein. Am Topfboden setzen Sie ein Ablaufventil, über das Sie den Saft in die Flaschen füllen. Dieser Saft wird farblich heller ausfallen, als die direkte Abfüllung von der Mostspirale. Damit wird der Einsatz von Vitamin C überflüssig.


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Rezept für Kinderpunsch

FrageKinderpunsch24
Sie waren so freundlich, mir vor 3 Jahren Ihr Rezept für den Kinderpunsch zu geben. Alle meine Zubereitungen kamen am Ende im Nachhaltigkeitsgeschmack nicht an den von Ihnen aufbereiteten Kinderpunsch heran. Wechselnd habe ich den Saft aus den Apfelsorten „Wohlschmecker aus Vierlanden“ und „Holsteiner Cox“ unter Einsatz unserer Küchenzentrifuge gewonnen. Unsere Basismenge war immer 10 Liter Saft. Nach der Aufbereitung mit Gewürzen wurde der Kinderpunsch heiß in Glasflaschen gefüllt. Egal, ob unser Kinderpunsch heiß oder kalt getrunken wird, schmeckt er doch immer relativ flach.

Gibt es da vielleicht noch etwas, was ich nicht berücksichtigt habe, oder soll dieses bewusste „I-Tüpfelchen“ Ihr Geheimnis bleiben? Ich würde mich sehr über Ihre Antwort freuen.

Antwort von Wilfried Marquardt am 10.12.2011
Nachfolgend gebe ich Ihnen nochmals unser Kinderpunschrezept einschließlich der Arbeitstechniken zur Kenntnis.

Zutaten für 1 Liter Apfelsaft

  1. 1 Liter Apfelsaft mit hohem Süßewert, geringem Säurewert und ausgeprägtem Aroma
  2. 2,5 ml Vanillearoma (Gewürzwerk Laue, Ahrensburg)
  3. 0,6 Gramm gemahlener Zimt (Gewürzwerk Fuchs, Dissen)
  4. 0,08 Gramm Nelken (Gewürzwerk Fuchs, Dissen)

Zu 1, Apfelauswahl und Saftproduktion
Für den Kinderpunsch ist eine Apfelsorte zu wählen, die

  • ein ausgeprägtes und wohlschmeckendes Aroma aufweist
  • einen Süßewert zwischen 48 ° und 55 ° Oechsle beinhaltet
  • und einen Säurewert zwischen 5,0 und 6,9 Gramm/Liter hat.

Wer nicht über die notwendigen Messinstrumente verfügt, verwendet z.B. die Apfelsorten „Wohlschmecker aus Vierlanden“, „Holsteiner Cox“ oder andere milde Renetten-Sorten.

Wird der Süßewert unterschritten, schmeckt das spätere Getränk relativ fade. Mit Gewürzen oder anderen Zutaten kann fehlender Zucker nicht ausgeglichen werden.

Wird der Säurewert überschritten, schmeckt das Heißgetränk übermäßig scharf und streng. Unsere Geschmacksempfindung ist allgemein so ausgerichtet, dass die Süße im Heißgetränk zurückgeht und die Säure hervorkommt. Das gilt also nur für den heißen Kinderpunsch und nicht für das Kaltgetränk.

Nachdem die entsprechende Auswahl getroffen ist, werden die frisch geernteten Äpfel gewaschen und gemahlen. Die so hergestellte Maische wird einen Tag bei Umgebungstemperaturen zwischen 16 und 19 °C im abgedeckten Behälter zwischengelagert. Während dieser Zeit werden die freigesetzten Enzyme in der Maische tätig und reichern das Aroma an.

Am 2. Tag wird die Maische gepresst. Jetzt wird der Saft mit den weiteren Zutaten der obigen Ziffern 2 bis 4 aufbereitet. Zuerst wird das Vanillearoma maschinell eingerührt. Die abgewogenen Nelken werden mit einer hochtourigen Kaffeemühle fein gemahlen und zusammen mit dem Zimtpulver vermischt. Beide Gewürze zusammen werden unter laufendem Quirl in den Saft gegeben.

Die gesamte Zubereitung wird einen weiteren Tag zur Reifung bei den vorgenannten Umgebungstemperaturen zwischengelagert.

Am 3. Tag wird die gesamte Zubereitung einmal kräftig aufgerührt und über ein Feinsieb mit 200 my Maschenweite gegeben. Damit wird erreicht, dass die Feinstteile der Gewürze im Saft bleiben und die gröberen, störenden Gewürzteile im Getränk nicht mehr vorhanden sind. Danach wird direkt über einen Plattenwärmetauscher um 65 °C in Glasflaschen abgefüllt.

Maischesammler270LtrAbschlussbetrachtung
Den Kinderpunsch bereiten wir jeweils in Mengen von 150 bis 300 Liter. Die relativ geringen Zutatenmengen lassen sich damit gut abmessen und auch genau dosieren. Auch wenn Sie schon 10 Liter als Mengenansatz gewählt haben, bestehen z.B. Schwierigkeiten, hierfür 0,8 Gramm Nelken zu dosieren.

Der von Ihnen vermisste Nachhaltigkeitsgeschmack fehlt nach meiner Einschätzung deshalb, weil Sie weder die Maische noch den aufbereiteten Saft zur Reifung zwischengelagert haben. Mit Ihrer Haushaltszentrifuge vernachlässigen Sie zwangsweise die Zwischenlagerung der Maische, weil diese Maschine in einem Arbeitsgang „mahlt und presst“. Es fällt bei Ihnen gar keine Maische an, die zur Reifung zwischengelagert werden könnte.

Wenn Sie die Reife-Zwischenlagerung doch einmal praktizieren wollen, sollten Sie die von mir genannten Umgebungstemperaturen einhalten. Werden die Temperaturen überschritten, geht der Kinderpunsch in Gärung über und verändert damit natürlich sein Aroma. Werden die Temperaturen unterschritten, sind die Enzyme inaktiv und es wird keine Aromaanreicherung produziert.

Die Zwischenlagerung von insgesamt 2 Tagen für Maische und Saft sind also unser „I-Tüpfelchen“ als hervorragendes Qualitätsmerkmal, das wir aber nicht geheim halten und allgemein zur Nachahmung freigeben. Wenn Ihnen der Produktionsaufwand doch einmal zu hoch ist, kommen Sie einfach bei uns vorbei und holen sich den fertigen Kinderpunsch ab. Wir haben ihn das ganze Jahr über vorrätig.


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