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- Grundausstattung für Einsteiger (11.09.2000)
- Start mit Anspruch (30.12.2006)
- Mosterei für einen Bauernhof (04.12.2008)
- Mosterei für einen Obsterlebnisgarten (02.04.2009)
- Ausstattung einer Nebenerwerbsmosterei (18.09.2009)
- Neubau einer Nebenerwerbsmosterei (30.01.2010)
- Überarbeitetes Konzept erneut auf dem Prüfstand (21.02.2010)
- Mostereiaufbau nach 50 Lebensjahren (19.05.2010)
- Adressen für Gebrauchtmaschinen (19.05.2010)
- Anbieter von mobilen Mostereien (09.09.2010)
- Anleitung für Saft herstellen (17.11.2010)
- Apfelsaft-Keltereiprojekt in Sobissi (Georgien) (05.03.2011)
- Obstwiese als Gewerbebetrieb (09.06.2011)
Grundausstattung für Einsteiger
Frage Ich würde gern aus den Äpfeln aus unserem Garten Apfelsaft für den Winter herstellen. Was brauche ich dazu alles? Zuerst müssen die Äpfel mit einer Obstmühle zerkleinert werden. Aus den geschredderten Äpfeln wird dann mit einer Obstpresse der Saft gewonnen - kommt man eigentlich auch ohne die Obstmühle aus und was sind die Nachteile dabei? Wie geht es dann weiter? Am besten wäre es, den Saft in Flaschen lagern zu können. Brauche ich dazu eine spezielle Vorrichtung zum Verschließen der Flaschen?
Antwort von Wilfried Marquardt am 11.09.2000 Würde ich die Äpfel unzerkleinert in die Presse geben, würde die Saftausbeute wahrscheinlich 10 % betragen. Mit dem Mahlen des Obstes wird das Zellgewebe zerstört, sodass von hier aus schon ein freier Saftablauf erfolgt. Durch die Pressung wird nur in der Form nachgeholfen, dass der auf den Fruchtstückchen freiliegende Saft ausgetrieben wird. Es kommt also darauf an, wie klein gerieben, gehackt, zerrissen oder gestampft, die abzupressende Maische ist. Es darf aber kein Mus sein. Mus oder auch überreifes Obst (weiche Birnen) würde einen zähen Klumpen bilden, der nicht abpressbar ist. Die Maische muss immer noch so grob sein, damit über die inneren Drainagewege der Saft abtransportiert werden kann.
Zur Saftbereitung werden benötigt: 1. Obstmühle 2. Obstpresse 3. 2 Kochtöpfe zur Safterhitzung 4. Flaschen mit Drehverschluss, z.B.Selterflaschen oder andere Einwegflaschen.
Wenn Sie da auf die Schnelle nicht rankommen, kaufen Sie von Ihrem Getränkehändler kistenweise Leergut zurück. Am besten Selterflaschen, weil die sich leichter reinigen lassen. Haben Sie bloß keine Hemmungen, ich fing auch mal so an.
Falls die Gewindekappen abgenutzt sind, müssen neue verwendet werden. Wir bieten passende Kappen aus Kunststoff für die Heissabfüllung an. Beutel mit 100 Stück kosten 15,60 DM für Selbstabholer.
Die Gerätevarianten und Verfahren zu 1. bis 3. haben wir auf unserer Homepage dargestellt. Sie finden dort für Ihr Anliegen alle Auskünfte. Insbesondere die Seiten:
Obstqualität
Produktinfo Saft
Obstpressen (ab 2008 nicht mehr angeboten)
Obstmühlen (ab 2008 nicht mehr angeboten)
Anleitung mahlen
Anleitung pressen
Anleitung Abfülleinrichtung
Wenn Sie die o.a. Seiten inhaltlich nachvollzogen haben, sind Sie in der Lage, qualitativ hochwertigen Saft zu produzieren.
Start mit Anspruch
Frage Haben Sie vielleicht ausführliche neue Lektüre, ergänzend zu Ihrer Internetseite über die bestmögliche Apfelsaftherstellung im privaten Bereich für trotzdem immerhin 2000 Liter pro Jahr für meine relativ große Familie und deren Verwandtschaft. Was sollte man sich anschaffen und wie pasteurisiert man richtig. Wir wollen naturtrüben und klaren Saft herstellen, je nach Belieben. Können Sie uns eine Empfehlung geben der dafür notwendigen Geräte (Mühle, Hydropresse, usw) Die verschiedenen zu pressenden Apfelsorten reifen zu unterschiedlichsten Zeiten, von September bis November.
Antwort von Wilfried Marquardt am 30.12.2006 Mit meinen Ausführungen im Bericht "Umstellung auf Hydropressen", zu finden am Ende der Seite "Pressentest", sollten Sie in der Lage sein, sich grundsätzlich entscheiden zu können. Wenn Sie sich alle meine Berichte verinnerlichen, erkennen Sie auch unterschiedliche Problemstellungen, die Typ bedingt zu lösen sind.
Was verstehen Sie unter "bestmöglicher Apfelsaftherstellung? Meinen Sie damit beste Saftqualität oder schnelle Saftproduktion? Oder schwanken Sie zwischen rein manueller und halbautomatischer Obstverarbeitung?
Sie müssen Position beziehen. Welche Voraussetzungen bringen Sie und Ihre Großfamilie mit und was sind sie alle bereit, einzusetzen? (Grundstück, Raumangebot, finanzielle Mittel, körperliche Kraft, Zeit, Ausdauer, handwerkliches Geschick, Organisation und Weiterentwicklung, und so weiter)
Weiterführende Berichte habe ich nicht verfasst. Mir sind auch keine Berichte anderer Autoren bekannt, die sich mit den Varianten der Saftherstellung im Privat- oder Vereinsbereich auseinander setzen. Bedauerlich ist auch, dass sich die Hersteller von Obstverarbeitungsmaschinen diesem Thema nicht widmen und den Käufer bzw. Kunden regelrecht im Regen stehen lassen.
In den letzten beiden Jahren habe ich unsere Hydropressen gegen eine hydraulische Korbpresse mit 150 Liter Korbinhalt getauscht. Der österreichische Hersteller beklagte in einem Telefonat mit mir, dass die Presse wenig gekauft wird und er den Typ nicht mehr herstellen wollte.
Nachdem ich die Presse hier hatte, wusste ich auch, warum sie wenig gefragt ist. Der Hersteller hatte die Presse nach theoretischen Annahmen gefertigt, die sich in der Praxis als zeitaufwändig, Kräfte zehrend und im Produktionsbetrieb unwirtschaftlich zeigten. Mit geringen Veränderungen und Ergänzungen habe ich daraus eine einfach zu bedienende, schnelle und wirtschaftlich arbeitende hydraulische Korbpresse gemacht. Hierüber werde ich demnächst einen Bericht fertigen und veröffentlichen. Vielleicht wäre solche Presse auch was für Sie.
Bei Ihren 2000 Liter in der Saison kommen Sie auch mit 2 Hydropressen von jeweils 90 Liter aus. Reicht das nicht oder wollen Sie die Presszeit verkürzen, stellen Sie eine dritte dazu.
Als Mühle ist der Musermax genau richtig.
Das Thema Safterhitzung ist zu komplex, um Ihnen Vorschläge zu unterbreiten.
In welche Behälterart soll abgefüllt werden? Flasche, Bag in Box, Saftfass oder Druckfass?
Welche Energieart wollen Sie einsetzen? Vorhandene Warmwasserheizung, Propangas oder Strom?
Was sind Sie bereit, hierfür zu investieren?
Wenn bei Ihnen noch nichts vorhanden ist und Sie wenig investieren wollen, setzen Sie 3 Kochstar ein und füllen mit dem Enolmatic ab. Das ist ein Kompromiss zwischen Anschaffungspreis, Komfort und Saftqualität.
Zur Herstellung von klaren Saft setzen Sie einen Schichtenfilter ein. Bis 100 Liter im Stück z.B. den Rundfilter 22. Der genügt für den Anfang und strapaziert Ihren Geldbeutel nicht übermäßig. Irgendwann werden Sie erkennen, dass klarer Saft minderwertig und teuer ist und das dann sein lassen.
Mosterei für einen Bauernhof
Frage Wir haben einen kleinen Bauernhof südlich in Norwegen, bei Kristiansand. Wir haben dieses Jahr viele Äpfel und wollten gern unseren eigenen Most machen. Bei unserer Suche für Mostereigeräte haben wir Ihre Seite gefunden. Wir suchen eine komplette Mosterei mit Presse und Mühle. Könnten Sie uns vielleicht ein Angebot unterbreiten mit Preisen und Versandkosten? Wir könnten natürlich auch nach Reinbek fahren. Ist es weit von Hamburg?
Antwort von Wilfried Marquardt am 04.10.2008 Ihre Beschreibung genügt nicht, um Ihnen bestimmte Verarbeitungsgeräte anzubieten. Wie viele Äpfel wollen Sie in der Saison verarbeiten? 500 Kg, 1.000 Kg oder vielleicht 5.000 Kg?
Von der Gewichtsmenge hängt die Art und Größe der Geräte und Maschinen ab. Hiervon unabhängig geben wir unseren Betriebszweig für Kellereibedarf nach und nach aus Altersgründen auf. Neuanschaffungen für den Verkauf von Maschinen und sperrigen Behältnissen nehmen wir nicht mehr vor. Den Mostereibetrieb wollen wir noch einige Jahre fortsetzen, jedoch mit erheblich reduzierter Leistung.
Ich schlage Ihnen vor, dass Sie sich unsere Berichte (PDF-Dateien) auf der Seite Pressentest ganz unten, auf unserer Homepage durchlesen oder besser - übersetzen lassen. Ich habe dort diverse Pressen und das drum herum anschaulich dargestellt. Danach können Sie Ihre Grundauswahl treffen und gezielt die für Sie zutreffenden Geräte/Maschinen anschaffen.
Reinbek ist von Hamburg 20 km in östlicher Richtung entfernt. Wenn Sie wollen, können Sie sich unseren Mostereibetrieb gerne ansehen. Dann wissen Sie wenigstens, was alles dazu gehört und können abwägen, in welchem Umfang Sie noch Anschaffungen vornehmen müssen oder was Sie vielleicht aus dem Bestand oder von Bekannten einbringen können.
Mosterei für einen Obst-Erlebnis-Garten
Frage Wir sind ein Obstbaubetrieb und werden nächstes Jahr einen Obst-Erlebnis-Garten eröffnen. Hier möchten wir unter anderem unseren Gästen einen Direktsaft anbieten, bei dem selbst gepflücktes Obst direkt verarbeitet wird und den Gästen im Anschluss Ihr eigener Saft mitgegeben wird.
Dabei handelt es sich um Kern und Beerenobst. Könnten Sie mir einen Tipp geben, mit welcher Technik wir uns ausstatten sollten? Jahresvolumen ca. 20 to Obst.
Antwort von Wilfried Marquardt am 02.04.2009 Als Gewerbebetrieb werden Sie den Schwerpunkt bei der Obstverarbeitung mehr zur Technik verlagern wollen, als beim Personaleinsatz. Um 20 to Obst in relativ kleinen Portionen mit maximal 2 Personen zügig verarbeiten zu können, bietet sich die Ausstattung einer mobilen Mosterei an, wie sie z.B.von http://www.saftmobil.net verwendet wird. Dort ist modernste Technik mit einer kleinen Bandpresse im Einsatz. Weil Ihre Mosterei sicherlich stationär zum Einsatz kommt, können Sie auf den Anhänger natürlich verzichten.
Ich schlage Ihnen vor, mit verschiedenen Herstellern Kontakt aufzunehmen und sich eine auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittene Anlage anbieten zu lassen.
Kontaktadressen: http://www.heumesser-maschinenbau.de http://www.amos.de http://www.voran.at
Oder Sie lassen sich Ihre Anlage von Rainer Möbus ausplanen: http://www.fruit-juice-circle.de/ .
Die Verarbeitung von Beerenobst ist ein wenig aufwändiger, als das Kernobst. Um die Aroma- und Farbstoffe der Beeren mit in den Saft zu bekommen, müssen die Früchte ausgelaugt werden. Dies erfolgt wahlweise über Hitze mit dem Dampfentsafter oder biologisch mit Enzympräparaten. Beide Methoden sind zeitaufwändig und bei "wartenden Kunden" nicht praktikabel. Diesen Zweig Ihres Serviceangebotes sollten Sie sich ergänzend von den Herstellern anbieten lassen. Wenn Sie hierüber die Kosten genannt bekommen, werden Sie wohl über die Wirtschaftlichkeit ins grübeln kommen. Vorab können Sie sich auch bei einer Mosterei sachkundig machen, die bereits seit Jahren Beerenobst verarbeitet: http://www.luetauer-mosterei.de/ .
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der weiteren Umsetzung Ihres Vorhabens.
Ausstattung einer Nebenerwerbsmosterei
Frage Mein Mann und ich spielen mit dem Gedanken, eine Mosterei bei uns in Schweden zu starten. Ich komme ursprünglich aus dem Kreis Pinneberg und habe ihre Internetseite gefunden.
Können sie uns einen Lieferanten empfehlen oder haben sie selbst noch etwas im Lager? Wir haben ein Gartencenter mit Schwerpunkt Obst und möchten fuer die schwächere Herbstsaison einen Ausgleich fuer das Geschäft finden.
Antwort von Wilfried Marquardt am 18.09.2009 Lieferanten für Kellereibedarf kann ich Ihnen mehrfach nennen. Im Internet werden Sie aber auch ohne mich massenhaft fündig. Ich denke aber, dass Sie schrittweise vorgehen sollten und die Lieferantenwahl erst an dritter Stelle steht. Bei Ihrer angedachten Vorgehensweise sind Fehlinvestitionen vorprogrammiert.
Erstens Vor Ihren Kaufabsichten sollten Sie sich vorab überlegen:
- welche Menge Obst in Kg soll in welcher Zeit mit wie vielen Personen verarbeitet werden?
- in welche Art Verpackung soll abgefüllt werden?
- welchen Betrag sind Sie bereit, zu investieren?
Zweitens Nach Beantwortung der vorgenannten Fragen ist die Auswahl der Maschinen und Geräte zu treffen. Hierzu noch ein Hinweis aus eigenen Feststellungen: Die Leistungsangaben der Hersteller/Lieferanten von Maschinen sind kritisch zu würdigen, weil sie Idealbedingungen voraussetzen oder isoliert bewertet sind. In der Praxis werden die Angaben selten erreicht.
Drittens Danach erfolgt die Suche nach preisgünstigen Anbietern bzw. Lieferanten.
Wir selbst führen jetzt noch Zubehör für Hobbymoster, jedoch keine Pressanlagen oder andere sperrige Geräte mehr.
Hinweise zu den Arbeitstechniken finden Sie im Bereich "F & A" auf www.hobbymosterei.de .
Hilfsweise können Sie Kontakt mit Herrn H., einem deutschen Landsmann in Schweden aufnehmen, der sich ebenfalls eine schlichte Mosterei im Nebenerwerb aufbaut. Gehen Sie bitte auf http://www.mustkungen.se/ und Sie haben einen ersten Eindruck. Nach meinen Kontakten mit Herrn H., ist er Mitbewerbern im Lande aufgeschlossen, hilft Einsteigern wie Ihnen und ist an längerfristigem Erfahrungsaustausch interessiert. Grüßen Sie bitte Herrn H. von mir.
Neubau einer Nebenerwerbsmosterei Anmerkung: Die Fotos mit Kommentare sind nicht Bestandteil der Antworten. Sie wurden nachträglich zur Abrundung der Thematik für die Besucher dieser Seite eingepflegt.
Frage Ich habe auf der Suche nach Informationen zum Thema Lohnmosterei ihre Internetseite gefunden. Mit großen Interesse habe ich alle Themen zum Mosten gelesen. Durch Ihre uneigennützige Art in der Vermittlung von Erfahrungen und Wissen haben Sie mir und vielen anderen Lesern bestimmt schon oft weiter helfen können und Fehlentscheidungen abgewehrt.
Ich bin vom Beruf Gärtner und habe seit 17 Jahren ein Garten- und Landschaftsbauunternehmen. Auf meinem Grundstück habe ich im Jahre 2007 damit begonnen, 60 Stück Birnen-, Apfel- und Pflaumenbäume (Busch- und Halbstamm) zu pflanzen. Im Jahre 2009 kaufte ich mir von der Firma Rink eine Hausmosterei bestehend aus Obstschabermühle, Tischpackpresse und Pasteur mit Elektrothermostatheizung.
In der ersten Saison haben wir für den Eigenverbrauch ca. 2,50 t Birnen und Äpfel vermostet. Resultierend aus unseren guten Ergebnissen bei der Saftproduktion entwickelte sich die Vision eine Lohnmosterei für Privatkundschaft aufzubauen. Im Umfeld unseres Ortes mit ca. 50. 000 Einwohner gibt es keine Lohnmosterei mehr. Dieses bestärkte mich in der Entscheidung eine Lohnmosterei als Nebenerwerb aufzubauen.
Im Moment befinde ich mich in der Planungsphase für die Errichtung eines Mostereigebäudes, mit einem angrenzenden multifunktional nutzbaren gepflasteren Gewächshausneubau, in welchem in der Saison die Annahme des Obst, Waschung, Mahlung und Pressung erfolgen soll. Nach der Kampagne werden die Maschinen in das Mostereigebäude gestellt und das Gewächshaus kann anderweitig genutzt werden.
Zum besseren Verständnis füge ich noch eine Lageskizze dem Brief bei. Um den Neustart für eine Lohnmosterei auch erfolgreich starten zu können, planen wir in den Maschinenpark zu investieren.
Hierzu würde ich gerne ihre Meinung bezüglich der Zusammenstellung und Ausstattung hören. Ich habe bewusst für den Anfang etwas größere Maschinen mit Leistungsreserven gewählt, um bei stärkerer Nachfrage nach Lohnmostleistungen, diese auch befriedigen zu können.
Meine konkrete Frage lautet inwieweit nachfolgende Punkte erfüllt werden:
- Abstimmung der Maschinen hinsichtlich Größe und Leistung zueinander,
- hoher Mechanisierungsgrad wird angestrebt ( geringer Personaleinsatz )
- Maschinengröße für die Lohnmosterei auf eine Tagesleistung von 3-5 t anpassen, (zum Anfang)
- Maschinen sollen transportabel für den Aufbau in der Kampagnezeit in multifunktionalen Räumlichkeiten sein und danach wieder eingelagert werden können.
Ich habe mir von der Firma Voran nachfolgende Maschinen anbieten lassen.
- Waschanlage WA LC mit Rätzmühle ( Kombination mit Packpresse )
- Packpresse 100 P2 mit Drehtisch zum gleichzeitigen packen und pressen,
- Kreiselpumpe Edelstahl 2000 l/h
- Edelstahltank für Zwischenlagerung
- Spaltsieb zur Grobfiltration für Direktsaft
- Pasteurisierungsanlage 300 l/h mit Flaschenabfüller und Bag in Box Abfüller.
Ich möchte mich schon heute für Ihre Antwort zu diesem Thema bedanken.
Antwort von Wilfried Marquardt am 30.01.2010 Die von Ihnen gewählten Anlagenteile sind aufeinander passend abgestimmt. Mit 2 Personen können Sie damit in einer 12-Stundenschicht zuzüglich Zeiten für Pausen und Endreinigung etwa 1,5 to Äpfel waschen, mahlen, pressen und in Bag-in-Box abfüllen. Für die Obstannahme und die sonstige Kundenbetreuung ist weiteres Personal abzustellen.
Für 2 to Äpfel und überwiegender Flaschenabfüllung wären bei gleicher Maschinenausstattung und gleicher Zeitvorgabe 3 Personen erforderlich.
Die von fast allen Anbietern genannten Leistungsdaten sind praxisfremd, weil sich die Angaben isoliert auf den ununterbrochenen Maschinenbetrieb beziehen. In der Praxis laufen aber nicht alle Maschinen pausenlos ohne Unterbrechung. In meinem Bericht vom 23.11.2003 „Umstellung auf Hydropressen“ habe ich auf den Umstand bereits hingewiesen.
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Im Foto sehr eindrucksvoll erkennbar: Links die neuen und rechts alte und ungepflegte Pressroste.
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Bei meinen nachfolgenden Überlegungen gehe ich von einer 9-Stunden-Produktionsschicht mit 5 Personen und einer Apfelmenge von 4.000 Kg aus. Personalpausen und Endreinigung der Anlagen und Räume sind zeitlich zusätzlich zu berücksichtigen. Ausgangsbasis ist die Packpresse.
Packpresse (1 Person) Wenn mit der Packpresse im Lohn-Mostverfahren wirtschaftlich gearbeitet werden soll, ist die Presse gleich als Doppelbiet mit Rostgrößen von mindestens 0,8 x 0,8 m zu wählen. Darauf sind die anderen Maschinen abzustimmen.
Anstelle der Holzrosten sollten 2 mm Edelstahl-Pressbleche eingesetzt werden, damit sich der Trester besser von den Tüchern abschütteln lässt und dadurch Arbeitszeit eingespart wird. Bei der Verarbeitung von vollreifen Äpfeln, Lagerobst und besonders Schattenmorellen (Kirschen) zeigt sich der Unterschied sehr deutlich. Außerdem neigen Holzroste bei ungenügender Reinigungspflege zu Schimmelbildung. Zu erkennen an der dunkelbraun bis schwarz eingefärbten Oberfläche.
Noch eine Überlegung zur Größenauslegung:
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Packpresse “P100-2” mit 50er Holzroste in Doppelschiebebiet. “P100” heißt: Presse mit 100 Liter Maische in einem Press-Stapel. Mit Rostgrößen 50 x 50 cm kann im Nebenerwerb kein Geld verdient werden, wenn noch Personal bezahlt werden soll. Mit 80er Rosten wird bei fast gleicher Arbeitszeit die vierfache Maischemenge verarbeitet, wenn Maischepumpe oder andere technische Hilfsmittel eingesetzt werden.
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Für Rostgrößen von 80 x 80 cm kommen Packrahmen von 74 x 74 cm zum Einsatz. Das Maischevolumen beträgt dabei rechnerisch 33 Liter je Lage. Bei 12 Lagen rund 400 Liter Maische oder 348 Kg Äpfel. Bei optimaler technischer Ausstattung und 2 Personenbedienung wird sich ein Pressentakt von 30 Minuten ergeben. Obstverarbeitung somit 692 Kg pro Stunde und in 9 Stunden somit rechnerisch 6.228 Kg. In der Praxis sind aus eigenen Erhebungen 35 % von der rechnerischen Größe wieder abzusetzen, so dass am Ende der Tagesschicht 4.048 Kg verarbeitet wurden. Der Abzug von 35 % ergibt sich schlicht aus Stillstandzeiten der Presse. Zwangsweise beim Wechsel des Stapels, weil der Folgestapel noch nicht hergerichtet ist oder beim Kundenwechsel bzw. Sortenwechsel. Besonders gravierend wirkt sich das Zeitdefizit aus, wenn der Pressenstapel mit 348 Kg nicht ausgenutzt wird, weil ein Kunde z.B. nur 170 Kg oder 500 Kg Obst angeliefert hat und damit die Presse nicht ausgelastet ist. Bei kaum einem Kunden wird die gelieferte Obstmenge passend zu dem Pressenstapel mit maximaler Füllung aufgehen.
Aus dieser Gegebenheit heraus sollten Sie überlegen, welches Lohnverfahren angewendet werden soll.
- Saft vom eigenen Obst: Der Kunde erhält den gesamten Saft aus seinem Obst zurück. Vorteil: Sie brauchen die Verpackungen nicht zu etikettieren. Nachteil: Die Pressanlage ist nur zu 65 % ausgelastet. Der Kunde muss Wartezeiten akzeptieren oder am nächsten Tag seinen Saft abholen.
- Saftabgabe nach einem Verrechnungsfaktor wie bei den Großmostereien, wobei der Kunde fertig abgepackten Saft aus anderen Lieferungen erhält. Vorteil: Die Pressanlage ist zu 90 % ausgelastet. Kunde hat keine Wartezeiten. Nachteil: Alle Einzelpackungen sind zu etikettieren. Zusatzkosten für die Etikettiermaschine, mehr Platzbedarf und zusätzlicher Personaleinsatz.
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Verkaufsraum Wer Saft an Laufkundschaft abgeben will, sollte sich eine Verkaufsstelle in guter Lage einrichten, in der außer Saft auch noch andere interessante Artikel angeboten werden. Andernfalls lohnt sich die Einrichtung nicht und auf Saftverkauf sollte verzichtet werden.
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Ich denke, dass Sie eher die 1. Variante umsetzen wollen, weil der Zeitgewinn aus der Pressanlage unter Variante 2 mit der zusätzlichen Etikettierung fast aufgehoben ist. Ferner werden die Kunden wenig Verständnis zeigen, keinen Saft vom eigenen Obst zu erhalten. Variante 2 ist von Vorteil, wenn Sie Saft außer Haus auch an Nicht-Obstanlieferer verkaufen wollen oder auch müssen. Dies könnte erforderlich werden, wenn Einzelkunden ihren Obstgarten leerräumen und eine Tonne Obst anliefern. Was sollen eine Kleinfamilie oder nur Eheleute mit 700 Liter Apfelsaft anfangen? Derartige Kunden ertrinken dann förmlich in Apfelsaft. Bei Bag-in-Box sollten die Packungen auch noch innerhalb eines Jahres aufgebraucht sein. Die Lagerfähigkeit variiert je nach Sauberkeit des Obstes und der Abfülltemperatur.
Diesen Obstanlieferern könnten Sie dann entgegenkommen und den Zwang zur vollen Saftrücknahme auf ein Drittel reduzieren. Die anderen zwei Drittel wären dann zu etikettieren und stehen Ihnen zum freien Verkauf zur Verfügung.
Wasch- und Mahlanlage (1 Person) Wenn auch mal Hartobst wie z.B. Quitten verarbeitet werden soll, ist die Waschanlage mit Rätzmühle entsprechend auszulegen. Dafür werden dann Lochscheiben/Siebe mit kleinerem Durchmesser eingesetzt. Hierfür wird mehr Kraft vom Motor verlangt, bei gleichzeitiger Mengenreduzierung an Maische. Der Motor sollte in jedem Fall mindestens 5 KW Leistung haben, auch wenn kein Hartobst gemahlen wird. Andernfalls kann die erforderliche Maischemenge für die oben genannte Presse nicht zeitgerecht erzeugt werden.
Auch hier ist zu bedenken, dass die Obst-Waschanlage nicht unterbrechungsfrei arbeitet. Die Zwangspausen bei Kundenwechsel und andere Ablenkungen kann die Anlage nur mit höherer Leistung ausgleichen.
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In diesem Saftmobil sind auf engstem Raum alle notwendigen Maschinen enthalten. Links die Waschanlage mit Rätzmühle, darunter der Maischesammler mit Maischepumpe. In der Mitte die Packpresse mit Drehbiet und 65er Rosten. Rechts der Erhitzer mit Propangasbetrieb für Bag-in-Box-Abfüllung.
Zur Leistung des abgebildeten Saftmobils teilte mir der Erstbesitzer per E-Mail am 1.6.2011 mit:
“Sehr geehrter Herr Marquardt, in Ihren Frage- und Antwortseiten haben Sie ein Foto meiner ersten mobilen Saftpresse veröffentlicht, die zu dem Zeitpunkt Herrn Heinrich Bühring gehörte. Damit hatten meine Tochter und ich im Jahr 2008 in 10 Arbeitsstunden 5.000 Liter hergestellt. Im Jahr 2004 hat die Maschine einen 36 Stunden-Einsatz mit ca 14.000 Liter geschafft. Bei 600 bis 700 kg Äpfel pro Stunde kann man gut und gerne 5 to Äpfel in 9 Arbeitsstunden schaffen. Der jetzige Besitzer im Raum Stuttgart hat 2010 in seinem ersten Jahr Tagesmengen von über 4 to geschafft.
Ich habe mich gefreut, meine alte Maschine mal wieder im Netz gesehen zu haben.
Mit freundlichen Grüßen Burkhard Schmücker www.das-saftmobil.de “
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Alternative: Maischepumpe mit aufgesetztem Maischesammler Bei der gewählten Größenordnung ist aus wirtschaftlicher Sicht zu prüfen, ob auf den Dosierkasten bei der Rätzmühle mit der nachgeordneten Schnellpackvorrichtung für die Presse verzichtet werden sollte. Der Dosierkasten hat ein begrenztes Volumen für etwa 3 Packlagen und die Mühle liefert den Fehlbedarf für den Pressenstapel nicht schnell genug nach, so dass hier Wartezeiten auftreten können.
Für den fließenden Arbeitsablauf wäre der Einsatz eines Maischesammlers mit etwa 1 m³ Inhalt und darunter angeordneter Maischepumpe sinnvoll. Bei dieser Variante könnten auch Unkundige wie z.B. Kunden, bei der Waschanlage nach kurzer Einweisung mitwirken, sofern dies aus hygienischer Sicht in Ihrem Pressraum bejaht werden kann und keine gesundheitlichen Aspekte dagegen sprechen. Ansonsten sind Kunden aus hygienischer Vorsorge grundsätzlich aus Produktionsräumen fern zu halten.
Manuelle Abfüllanlage mit Erhitzer (3 Personen) Bei 4.000 Kg Obst fallen bei 75 % Saftausbeute 3.000 Liter Saft an, die abzufüllen sind. Die Abfüllperson wird mit 0,5 Stunde Zeitversatz zur Obstverarbeitung die Arbeit aufnehmen. Wie bereits bei der Pressanlage ausgeführt, ist auch die Abfüllanlage wegen Stillstandzeiten nicht dauerhaft in Betrieb. Als Abschlag genügen hier jedoch 30 %, wenn eine Kompaktanlage mit kurzen Leitungswegen eingesetzt wird und der Brennerstart schon bei einer Temperaturdifferenz von 5 °C des Kesselwassers anspricht. Als weitere Voraussetzung muss das Kesselwasser 12 °C über der Abfülltemperatur gefahren werden können. Andernfalls und bei Außentemperaturen unter 10 °C sind fließend bis 40 % Praxisabschlag anzusetzen. Je kälter das Obst, um so kälter ist der erzeugte Rohsaft, für deren Erhitzung die Anlage mehr Zeit benötigt.
Meiner nachfolgenden Berechnung liegt eine Außentemperatur bis 10 °C zugrunde. Wollen Sie noch bis Dezember um den Gefrierpunkt produzieren, sollten Sie eine stärkere Erhitzereinheit verwenden oder die Verarbeitungsmenge reduzieren.
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Füllventile eines Falldruckfüllers Falldruckfüller verlangen zur Überwindung der Druckfederspannung kräftige Hände für das Einstellen und Abnehmen der Flasche. Für diesen Nachteil sind sie jedoch um etwa zwei drittel günstiger im Anschaffungspreis als Vakuumfüller.
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Aus den o.a. Annahmen ergibt sich eine Erhitzerleistung: 3.000 Liter : 9 Stunden = 333 Ltr/Std : 0,7 = 476 Liter pro Stunde. Ihre Abfüllanlage ist somit gerundet auf 500 Liter/Stunde auszulegen. Für Bag-in-Box ist ein entsprechender Vollautomat einzusetzen oder beim Halbautomaten sind 2 Personen zu beschäftigen.
Bei der Flaschenabfüllung mit einem Vakuum-Reihenfüller ergibt sich folgende Situation bei 1-Liter-Weithalsflaschen im Handbetrieb: Je Füllventil können als Mittelwert bei normaler Schaumentwicklung in der Stunde maximal 100 Flaschen gefüllt werden. Bei 500 Liter/Stunde ist ein 5-stelliger Vakuum-Reihenfüller vorzuhalten.
Eine Person füllt am Reihenfüller in der Stunde ohne Stress jedoch bei voller Konzentration in manueller Handarbeit mit Flasche vorwärmen, füllen, verschließen, Flasche kurz stürzen und in Kasten abstellen, maximal 180 Liter pro Stunde. Hiermit wären dann 3 Personen beschäftigt. Wegen der monotonen Abfüllbeschäftigung und hauptsächlich wegen der kraftaufwändigen Handverschließung der Flasche, wird keine Person in der Lage sein, einen 9-Stundentag durchzustehen. Hier ist Ihre Personalorganisation gefordert. Vielleicht Schichtwechsel bei 4,5 Stunden oder rotierender Personenwechsel an allen Anlagen im 2-Stundentakt.
Berechnungsgrundlage für Lohnmost Noch ein Hinweis zum Abrechnungsverfahren mit dem Kunden, der Obst anliefert und am Ende abgepackten Saft mitnimmt.
Für mich ist nicht nachvollziehbar, weshalb die reinen Lohnmostereien, die den gesamten Saft an den Kunden zurückgeben, ihre Abrechnung auf den abgepackten Saft ausrichten. Bei dieser Verfahrensweise liegt das Risiko der Saftausbeute voll bei der Mosterei. Die maximale 75%-Saftausbeute bei Äpfeln würde mit Ihrer Anlage vorliegen, wenn die Äpfel den Grad der Essreife erreicht haben und noch nicht voll ausgereift sind. Bei relativ unreifem oder vollreifem Obst verringert sich die Saftausbeute bereits auf 70 %. Bei Überreifem oder auch Lagerobst sinkt die Ausbeute weiter bis auf 60 % ab. Zudem haben Sie Zusatzaufwand mit dem trubschlammigen Saft, der für den Kunden zwar wertvoller ist als der mit wenig Trübung. Nur Sie als Moster haben dadurch keinen Gewinn, sondern zahlen drauf.
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Obst wiegen kann auch sehr zeitaufwändig sein. Reine Lohnmoster sollten die Vor- und Nachteile sorgsam überlegen. Bei diesem Verfahren lassen sich jedoch Laub und angefaulte Früchte leicht entfernen.
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Weil Sie bei Ihren Kunden wenig Einfluss auf den für Sie richtigen Reifegrad haben und bei der Obstannahme auch nicht lange mit dem Kunden diskutieren können, nehmen Sie die Sendung so an, wie geliefert. Lediglich angefaulte Früchte geben Sie dem Kunden zurück. Dafür haben Kunden auch Verständnis und vermerken das für sich als positive Qualitätskontrolle.
Mostereien, die rein auf Lohnbasis arbeiten, sollten ihren Lohn auf gelieferte Kilogramm abstellen. Dann ist es für den Verarbeitungsbetrieb relativ egal, welchen Reifegrad das Obst hat. Der Kunde hat damit selbst die zurückerhaltene Saftmenge zu vertreten. Wenn Kunden nach der zu erwartenden Saftmenge fragen, geben Sie 60 bis 75 % des gelieferten Obstgewichtes an.
Zusammenfassung Mit meinen vorgenannten Ausführungen habe ich Ihnen einen Weg der manuellen Obstverarbeitung aufgezeigt, der wirtschaftlich ist und auch noch Gewinn abwirft. Mit kleineren Anlagen fahren Sie den Gewinn auf null herunter. Das wäre was für Hobbyleute, Vereine oder wenn Sie sozial eingestellt sind und die Leute in Ihrer Nachbarschaft für geringes Entgelt als Beschäftigungstherapie von der Straße weg haben wollen.
Vielleicht kommen Sie jetzt neu ins Grübeln und denken sich noch andere Alternativen aus. Hierfür habe ich Ihnen für verschiedene Maschinen, Apparate und Personen Leistungsdaten genannt. Danach können Sie eigene Varianten durchrechnen und die Wirtschaftlichkeit feststellen.
Meine Vorgaben mit der voraussichtlichen Arbeitsschicht einschließlich Pausen und Endreinigung von 12 Stunden ist für abhängiges Personal weder gewerkschaftsfreundlich noch arbeitsrechtlich zulässig. Sie als Eigentümer/Betreiber sind hiervon ausgenommen. Auch hier müssen Sie für Ihr Personal organisatorisch Regelungen treffen.
Anmerkungen zu Ihrem geplanten Wirtschaftsgebäude mit Mehrfachnutzung bei den Außenabmessungen von ca. 22 x 9 Meter.
Ihre Planung ist in den Grundzügen mit der Trennung von Pressraum und Abfüllraum richtig. Auch mit der Raumhöhe des Pressraumes von 4 m bei der Raumgröße von 72 m² halten Sie sich diverse Veränderungsmöglichkeiten in der Maschinenausstattung für die Zukunft offen.
Wenig praktikabel ist, dass Sie den Pressraum auch als Obstannahmestelle nutzen wollen. Kundenverkehr ist aus hygienischer Sicht in Produktionsräumen nicht zulässig. Für die Obstannahme könnte ein Vordach mit mehreren Metern Breite ausgebildet werden. Oder hilfsweise könnte auch eine oder mehrere Gelenkarmmarkisen für den kurzzeitigen Schutz genügen.
Die Fußböden wollen Sie in den Produktionsräumen pflastern. Ich vermute mit Betonsteinpflaster, weil Sie als Garten- und Landschaftsbaubetrieb darin geübt sind. Auch bei dem vorgesehenen Gefälle mit den Bodeneinläufen werden Sie bei Pflasterbelägen Reinigungsprobleme haben. Die Aufsichtsbehörde wird raue Beläge beanstanden.
Besser ist die Einbringung einer Stahlbetonsohle mit sichtbarer Dehnungsfugeneinteilung und entsprechender Gefälleanordnung zu den Einläufen. Wenn die Oberfläche wie ein Estrich eben abgezogen und nur durchgerieben wird, ist damit gleich ein haftfähiger Untergrund für einen Fliesenbelag geschaffen. So habe ich unsere Fußböden im Press- und Verkaufsraum auch hergestellt.
Im Pressraum sollten 4 Bodeneinläufe gleichmäßig verteilt werden, damit die Reinigungs-Wasserwege kurz gehalten sind und große Höhendifferenzen in der Fußbodenebene vermieden werden.
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Der Waschplatz im Pressraum wird zweckmäßig in einer Raumecke angeordnet. Bodeneinlaufroste aus Edelstahl und mindestens 50 x 50 cm, damit Reinigungswasser aus Behältern zügig ablaufen kann und Arbeiten mit dem Hochdruckreiniger ohne störende Rückspritzer erfolgen können.
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Die einzige Brauchwasserzapfstelle im Pressraum hinter der Packpresse ist nicht nur ungünstig platziert, sondern in der Anzahl für den Raum zu gering. An der Außenwand des Pressraumes zwischen Tür und Rolltor sollte noch eine Zapfstelle angebracht werden. Die Zapfstelle hinter der Packpresse ist frei zugänglich zu platzieren.
Insgesamt fehlt die Einrichtung eines Waschplatzes mit großflächiger Bodeneinlaufroste und einer Doppelzapfstelle. Diese könnte zweckmäßig in der nord-östlichen Raumecke eingerichtet werden. (Norden ist auf dem Grundriss oben) Im Spritzbereich von jeweils 2 m Wandlänge und 2 m Höhe sollten die Wände gefliest sein. Zu der WC-Anlage siehe übernächsten Absatz.
Neben dem Waschplatz könnte die notwendige Tücher-Waschmaschine mit Zu- und Ablauf eingerichtet werden. Daneben eine Doppelspüle für Handreinigungsarbeiten von Geräteteilen mit Kalt- und Warmwasseranschlüssen. Oder wollen Sie alle Kleinteile in gebückter Haltung mit Schlauchwasser auf dem Fußboden reinigen?
Für alle Brauchwasserverteilungen sind Leitungsquerschnitte mit dreiviertel Zoll völlig ausreichend. Die Verteilung sollte mit Gefälle auf Putz erfolgen und der Vorgabe, dass diese bei Frostgefahr völlig entleert werden können.
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Kunden-WC mit Waschtisch Wer seine Kunden nicht das private Wohnungs-WC nutzen lassen möchte, richtet z.B. in der Waschküche im Keller eine abgetrennte Kabine ein.
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Gut, dass Sie an die Doppel-WC-Anlage für getrennte Nutzung Personal/Kunden gedacht haben. Für deren Zugang aus Arbeitsräumen ist jedoch zwingend ein Flur vorzuschalten. Darüber hinaus ist die WC-Anlage an der nördlichen Außenwand ungünstig für Kunden platziert. Wenn die Obstannahmestelle an der Südseite eingerichtet ist, sollte der WC-Zugang auch erkennbar an dieser Seite sein. Bei direktem Zugang von außen kann auf den Flur verzichtet werden. Vergessen Sie nicht, bei Frost das Wasser aus den Spülkästen abzulassen.
Ich schlage Ihnen vor, die Raumanordnungen im östlichen Gebäudeabschnitt neu zu planen.
Im Pressraum sind an der Nord- und Südwand Zugangstüren vorgesehen, die direkt an der Trennwand des Gewächshausraumes beginnen. Damit schränken Sie die Wandnutzung für z.B. Regalaufstellung, erheblich ein. Der Raum verfügt ohnehin über wenig nutzbare Wandflächen, auf die Sie dringend angewiesen sind. Das werden Sie später im Betrieb nach und nach noch feststellen. Die Türen sollten mit Abstand von der Trennwand entfernt beginnen, damit die gesamte Wandlänge genutzt werden kann. Der Abstand richtet sich danach, was dort abgestellt werden soll. Für Regale genügen 50 cm, für Arbeitstische 90 cm und für Paletten 120 cm.
Tagesleistung erhöhen Ihr Pressraum ist größenmäßig auch für eine Bandpresse mit einem relativen Stundendurchsatz von 5 Tonnen ausgelegt. In der Praxis wird die Presse mit Ihrer Betriebsweise jedoch nicht ausgelastet. Es macht keinen wirtschaftlichen Sinn, mit einem Zwanzigtonner Lastwagen die Brötjen für den Frühstückstisch vom 300 Meter entfernt gelegenen Bäcker einzukaufen.
Hingegen sind erhebliche Personaleinsparungen bei der Flaschenabfüllung mit einem automatisierten Rundfüller möglich. Je nach Größe könnte der Platzbedarf des derzeit ausgeplanten Abfüllraumes nicht genügen. Auch weil eventuell die WC-Anlage noch von diesem Raum abzuzweigen ist. Bei Ihrer Umplanung sollten Sie dies berücksichtigen und auf den nördlich gelegenen Lagerraum verzichten.
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Flaschenwaschanlage bestehend aus Einweichrad, Bürstmaschine und 2 Abtropfwagen. Die Reinigungsleistung einer Person beträgt 1000 Flaschen an einem Sommertag. Platzbedarf etwa 50 bis 70 m².
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Wenn Sie auf Flaschenabfüllung verzichten, kommt die Problematik nicht auf. Auch kommen Sie nicht in Not, ungenügend gereinigte Rücklaufflaschen reinigen zu müssen. Hierfür haben Sie bisher noch nichts eingeplant. Bedenken Sie auch, dass die Gesamtthematik der Flaschenabfüllung mit Pfand- oder Rückgabeflaschen kostenmäßig das etwa drei- bis vierfache der Anlagenkosten Ihrer Obstverarbeitungsanlage beträgt. Hinzu kommt der Mehrbedarf an Raum für die Flaschenlagerung und für die Flaschen-Reinigungsanlage.
Ein größerer Erhitzer mit Bag-in-Box-Abfüller braucht nur wenig mehr Platz oder Sie schaffen sich gleich eine Anlage mit höherer Leistung an und sind mit dem Thema durch.
Berücksichtigen Sie auch, dass viele Kunden ihr Obst abliefern und den Saft erst nach mehreren Tagen abholen. Hierfür ist Lagerplatz vorzusehen. Bei Bag-in-Box sollten es Schwerlastregale sein. Vielleicht bietet sich dafür der jetzt noch nördlich gelegene Lagerraum an.
Damit endet meine Beurteilung Ihrer Mostereiplanung, die an den von Ihnen gelieferten Angaben ausgerichtet ist. Ich wünsche Ihnen bei der weiteren Ausgestaltung das richtige Augenmaß zu bewahren und nichts zu überstürzen. Notfalls richten Sie die Mosterei erst im nächsten Jahr ein.
Fortsetzung Überarbeitetes Konzept erneut auf dem Prüfstand
Frage Ich möchte mich zunächst für das umfangreiche Anwortschreiben vom 30.01.2010 bei Ihnen bedanken. Sie haben mir mit Ihren Vorschlägen und Gedanken wertvolle Hinweise für die weitere Planung meines Vorhaben gegeben. Meine erste Reaktion auf diese harten Fakten sorgten zunächst für eine gewisse Ernüchterung.
Nach einer Denkpause habe ich mit den neu hinzugewonnen Erkenntnissen nochmals durchgestartet und eine neue Planung auf die Beine gestellt. Bei der Gebäude- und Raumplanung habe ich alle mir bekannten Erfordernisse für den Aufbau einer kleinen leistungsfähigen Lohnmosterei einfließen lassen.
Desweiteren habe ich mein Vorhaben beim Lebensmittelüberwachungsamt einer zuständigen Mitarbeiterin vorgestellt und weitere sachdienliche Informationen zu gesetzlichen Bestimmungen bei Lebensmittelsicherheit erhalten und Sie in die Planung einfließen lassen.
Die Umsetzung des Vorhabens stelle ich mir in Abschnitten vor. Ich werde die Gebäudehülle komplett bauen und den Innenausbau nach Erfordernissen und finanziellen Möglichkeiten entwickeln.
Da ich noch nicht abschätzen kann, wie gut mein Angebot von Kunden angenommen wird, werde ich den Innenausbau in Etappen machen. Sollte mein Vorhaben scheitern, könnte ich das Gebäude auch anderweitig für meinen Betrieb nutzen.
Nachfolgend möchte ich Ihnen die Funktion der jeweiligen Gebäude wie folgt erläutern:
- Multifunktional nutzbares Gewächshaus mit gefliesten Fußboden, vier Bodeneinläufe auf einer Grundfläche von 80 m²
Nutzungskonzept : Obstannahme im Torbereich, Aufstellort für Waschanlage WA LC mit Rätzmühle, Packpresse 100 P 2 mit Drehtisch zum gleichzeitigen packen und pressen.
- Raum 1 mit gefliesten Fußboden und Wandfliesung bis zu einer Höhe von 2,00 m, zwei Bodeneinläufen auf einer Grundfläche von 55 m².
Nutzungskonzept: Aufstellort für Edelstahlzwischenlagerbehälter mit einem Fassungsvermögen von 500 L Saft, Erhitzungsanlage und Flaschenabfüllanlage, Waschtisch und Spüle mit Warm- und Kaltwasseranschluss.
- Raum 2 mit gefliesten Fußboden, sowie zwei Bodeneinläufen, Stahltreppe zum Erreichen des Obergeschosses für die Sanitär- und Umkleideräume der Mitarbeiter.
Nutzungskonzept: Lagerraum für Flaschenleergut und Ausgabestation der Abfüllungen an Kunden.
- Kunden WC von außen zugänglich ohne das Produktionsräume betreten werden müssen. Ist eine Trennung nach Frauen und Männer notwendig?
- Raum 3 befindet sich im Obergeschoss mit Sanitär- und Umkleideräume für die Mitarbeiter und ist über eine Stahltreppe aus Raum 2 zu erreichen.
In der Hoffnung, das meine jetzige Planung für das geplante Vorhaben besser geeignet ist, bitte ich Sie, die Planung nochmals auf den Prüfstand zu stellen und zu beurteilen.
Zum besseren Verständnis füge ich noch meine neue Planung als Lageskizze bei.
Ich möchte mich schon heute für Ihre Antwort zu der oben beschrieben Problematik bedanken.
Antwort von Wilfried Marquardt am 21.02.2010 Ihr neues Gebäudekonzept ist großzügig ausgelegt und lässt somit Veränderungen aller möglichen Art zu. Ich bin davon überzeugt, dass Ihr Dienstleistungsangebot gut angenommen wird und Sie bereits im Folgejahr die ersten technischen Anpassungen vornehmen werden. Deshalb ist Ihre Entscheidung richtig, erst einmal spärlich mit einer Grundausstattung zu beginnen.
Ergänzende Hinweise zu meinen Ausführungen vom 30.01.2010 und zu der jetzigen Vorlage:
- Pufferspeicher 500 Liter in Raum 1
Verinnerlichen Sie sich bitte den Kunden- und Verarbeitungsablauf. Der Betriebsbeginn startet bereits mit 5 Kunden, die Mengen zwischen 100 und 400 Kg Obst und einer Gesamtmenge von 800 Kg anliefern. Egal, welchen Kunden Sie zuerst bedienen, der Saft aus der ersten Kunden-Pressung blockiert Ihren Pufferspeicher für die nachfolgenden Kunden. Es sollten besser mehrere kleine und offen zugängliche Behälter mit Deckel zwischen 200 und 400 Liter gewählt werden. Dies auch wegen der täglichen Reinigung und einer möglichen Mehrfachnutzung von Behältern.
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Saftbehälter verschiedener Größen für die Zwischenlagerung der Saftsorten bis zur Heißabfüllung. Vorne Rundbehälter 270 Liter. Dahinter 2 x 110 Liter. An der Wand die stationäre Saftkühlwanne “Fabrikat Linde” mit 600 Liter Edelstahlwanne. Alle Behälter mit lose aufgelegtem Deckel und Schnellkupplung für Schlauch, unten Auslaufventile mit Schnellkupplung für den Anschluss der Saftpumpe.
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- Auch wenn nur ein großer Puffertank aufgestellt wird, sollte dieser wegen der äußerlichen Reinigungszugänglichkeit von zwei Seiten frei zugänglich sein.
Wir haben z.B. vier runde Behälter 270 Liter aus Kunststoff mit unterem Zapfventil und Deckel, und einen Rechteckbehälter 400 Liter gleicher Art im Einsatz. Hilfsweise setzen wir je nach Mengenaufkommen noch mehrere Behälter mit 110 Liter ein. Alles auf Untersätzen mit verfahrbaren Lenkrollen zum bequemen Transport innerhalb des Raumes. Die Behälter werden am Presstag im Wechsel als Maischesammler und als Saftzwischenlager bis zur Abfüllung verwendet. Im Gegensatz zu Ihnen steht bei uns nicht die Chargentrennung des Kunden im Vordergrund, sondern die Sortentrennung. Die Verfahren der Trennung sind jedoch vergleichbar. Es sind immer unterschiedliche Mengen Saft abzufüllen.
- Das Kunden-WC ist jetzt praktisch angeordnet. Wegen der zu erwartenden geringen Nutzung ist keine Trennung weiblich/männlich nötig.
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Tage der offenen Tür mit Vorstellung der Produktionsabläufe sind besonders werbewirksam vor Saisonstart. Zusätzlich sollten Stände mit Sortenbestimmung, Obstbaumverkauf, Gastronomie, Musikdarbietungen u.s.w. das Programmangebot bereichern.
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Ich traue Ihnen aber zu, dass Sie auch mal Apfeltage oder ähnliche öffentliche Veranstaltungen bei sich abhalten werden. Dafür könnten Sie dann aber zusätzlich Baustellen-WCs irgendwo auf dem Gelände versteckt aufstellen.
- Die Sozialräume sind jetzt im Obergeschoss umfangreicher ausgelegt. Wegen Unkenntnis Ihres Personaleinsatzes möchte ich hier nicht auf alle Eventualitäten hinweisen, sondern auf vorhandene Regelwerke, die Sie online bei Ihrer Berufsgenossenschaft abrufen können. Anbei schon mal die ArbStättV mit § 6 und die ASR 37 zur Einstimmung.
Für mich ist zweifelhaft, ob Sie die WC-Anforderung mit der Anordnung im Obergeschoss erfüllen. Verinnerlichen Sie sich bitte den Toilettenweg Ihres Mitarbeiters im Pressraum. Weil der Weg über „Außen“ nicht zulässig ist, muss er 2 Rolltore und eine Treppe überwinden. Wäre ich Mitarbeiter im Pressraum, würde ich den unzulässigen, aber sehr kurzen Weg zum Besucher-WC nehmen. Dadurch haben Sie ständig Diskussionsstoff. Bedenken Sie auch, dass Kunden eine Falschnutzung registrieren, bewerten und Sie eventuell denunzieren.
- Der Abstellraum im Obergeschoss eignet sich derzeit nur für Lagergut, das von Hand über die Treppe transportiert wird. Zukunftsweisend sollte die Nutzung auch für schweres Einzelgut ausgelegt werden. Deckentragfähigkeit somit mindestens 500 Kg/m² bis 1.000 kg/m² Verkehrslast. Zum Vergleich: Staatsarchive sind heute im Neubau mit 2.000 Kg/m² ausgelegt und Wohnungen mit 200 Kg/m².
Dazu 2 Varianten: An der Giebelseite eine breite Tür ohne Sturz anlegen, darüber im First feuerverzinkten Stahlträger als Kragarm setzen mit Laufkatze und Seilhebezug.
Die Hebeanlage könnte auch im Türbereich des Abstellraumes in Verbindung mit dem Treppenpodest angeordnet werden. Hierfür sollte die Tür auf 1,26 m Maueröffnung ausgelegt und das Treppenpodest auf 1,50 x 150 m angepasst werden. Die Seilhebezugmöglichkeit könnten Sie aber auch erst bei Bedarf nachrüsten, falls dieser wegen Ihres erdgeschossigen Platzangebotes überhaupt entstehen sollte.
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Seilhebezug am Schwenkarm des Hausgiebels Transport mit Handwagen vom Hofplatz über den Balkon in das Obergeschoss. Tragfähigkeit 150 Kg an einem 4 mm Seil ohne Zusatzrolle. Im Lagerzustand liegt der Schwenkarm an der Wand. Die Motoreinheit ist mit VA-Schutzblech und Dachüberstand gegen Witterung geschützt.
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Zur Überwindung unserer Geschossebenen mit Schwergut (zwischen 30 bis 300 Kg) haben wir insgesamt 4 Seilhebezüge im Einsatz. Davon 3 mit Laufkatze und einen am Schwenkarm. Die Seilzüge sind aus dem Baumarkt für Stück im Mittel von 200,00 Euro. Die Laufkatzen und den Schwenkarm baute ich mir selber. Die Tragfähigkeit dieser einfachen Seilzüge ergibt sich aus der Anzahl der verwendeten Seilrollen und liegt zwischen 100 bis 800 Kg. Ohne die Hebeanlagen hätte ich meine Arbeit in unserer Mosterei wegen Kräfteschwund bereits vor 12 Jahren eingestellt.
Wenn Sie über einen entsprechenden Gabelstapler verfügen, entfällt der Seilzughebehinweis. Dann wären nur Podest und Tür dem Erfordernis anzupassen.
Soweit meine ergänzenden Hinweise. Etwas Fummelarbeit für die Gebäudeplanung ergibt sich für Sie lediglich bei der Anordnung des Mitarbeiter-WC. Vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, die Planungsdetails mit Ihrem zukünftigen Entwurfsverfasser (Meister, Techniker, Ing. oder Architekt) zu erörtern. Sie sehen dann, wie einfach die Fachkraft Ihre und die gesetzlichen Vorgaben auf den Plan bringt.
Mostereiaufbau nach 50 Lebensjahren
Frage ich lebe mit meiner Familie in Bremen, also gar nicht so weit weg von Ihnen. Durch Zufall bin ich auf Ihre sehr interessante Homepage gestoßen. Bevor ich diese nun en detail durcharbeite, erlaube ich mir, Sie schon jetzt direkt zu kontaktieren, um Ihr Know-how zur Beantwortung meiner Fragen "direkt" anzusprechen. Vielleicht finden Sie Zeit und Lust, mir diese kurz zu beantworten.
Ich bin 50 Jahre alt, Physiker, und eigentlich vom Beruf her "Kopfarbeiter" - schon immer selbständig (mit mittlerweile 3 verschiedenen Firmen) in den letzten 20 Jahren und mit wechselndem Erfolg. Erstellung von Businessplänen, kaufmännisches Arbeiten, Marketing und Vertrieb sind mir deswegen nicht fremd. Handwerklich andererseits durchaus begabt und habe durch den früheren väterlichen Betrieb eine Maurerlehre absolviert.
Soviel zu persönlichen Eignungsvoraussetzungen.
Nun meine Frage: Meine Frau und ich haben in Bremen und umzu schon 2-3 Mostereien kommen und gehen sehen. "Gehen" wohl vor allem aufgrund fehlender kaufmännischer Planungsfähigkeiten...große Anfangseuphorie, viel Selbstausbeutung im 1. und 2. Jahr und dann der Niedergang oder zunehmende Schlampigkeit...
Ich möchte nun für mich, meine Frau und meine Familie prüfen, ob der Aufbau einer Mosterei nachhaltig erfolgreich eine Familie ernähren kann. Motiviert bin ich durch unsere Freude am Kontakt mit Menschen und dem Willen, die letzten beiden Jahrzehnte mit Arbeit zu füllen, die Sinn machend ist und vielleicht Freude an Natur und Menschen mit Einkommensmöglichkeiten verbindet.
- Natürlich ist Geld ein leidiges Thema - davon ist nämlich nur wenig vorhanden.
- eine geeignete Örtlichkeit in meinem Stadtteil (potentielle Mostereiräume mit Anliefermöglichkeit) muss noch gefunden werden, kann aber Kraft meiner guten Bremer Netzwerke realisiert werden
- Arbeitskraft wären erst mal meine Frau und ich - durch eine organisierbare Verknüpfung mit sozialen Projekten wie Jugendweiterbildungsangebote, Behindertenbeschäftigung etc. könnte ich aber gesponserte Arbeitsplätze generieren
Was meinen Sie aufgrund Ihrer Erfahrung ?
Ist mittels Gebrauchtgeräten mit geringen finanziellen Mitteln "trotzdem etwas zu wuppen" ? Gibt es möglicherweise Firmen und/oder Institutionen, die eine neue Mosterei unterstützen und an die ich noch gar nicht gedacht habe ? Konkurrenz als solches habe ich hier in der Gegend im Umkreis von 30 km zur Zeit nicht.
Entschuldigung für die lange Ausführung...über Ihre geschätzte Antwort würde ich mich sehr freuen.
Beste Grüße aus Bremen,
Antwort von Wilfried Marquardt am 19.05.2010 Danke für Ihre kurzen Ausführungen. Diese können für eine Beurteilung gar nicht lang genug sein.
In Ihrem Fall mit 50 Jahren, ohne Betriebsgebäude und wenig Eigenkapital für die Maschinenausstattung, kann ich Ihnen den Neustart nicht empfehlen. Wer mit dem Mostereibetrieb noch nicht vertraut ist, sollte auf jeden Fall relativ klein beginnen, damit Fehlinvestitionen sich in Grenzen halten. Relativ klein sind Verarbeitungsanlagen mit Tagesleistungen von 2 Tonnen Obst am Tag mit 2 Personen bei einer 14-Stundenschicht. Siehe hierzu meine Stellungnahme vom 30.01.2010 „Neubau einer Nebenerwerbsmosterei“.
Mit einer solchen Anlage kann sich eine Familie während der Produktionszeit gut über Wasser halten, aber kaum Investitionen tilgen. Bei einer Saft-Produktionszeit von 2 Monaten im Jahr liegt der Betrieb in den übrigen 10 Monaten brach und hat keine Einnahmen. Hilfsweise könnte die Angebotspalette mit Nebenprodukten wie Obstweine, Obstessige, Gelees u.s.w. in der sonst untätigen Zeit ausgebaut werden. Die hochwertigen Produkte sind dann im Hausverkauf und auf Märkten abzusetzen.
Gewerbsmäßige Familienmostereien verarbeiten in der Saison mindestens 1.000 Tonnen Obst. Daran angeschlossen ist ein Getränkeladen mit Standard- und gehobener Ware.
Ein zweites Standbein ist überlebenswichtig, weil wir wiederkehrend Jahre erleben, in denen die Region Obstmangel hat. Die Produktionseinbußen liegen dann zwischen 70 bis 90 Prozent.
Gesponserte Arbeitskräfte sind eine verlockende Ergänzung für den Familienbetrieb. Wenn Sie das verwirklichen wollen, sind diverse arbeitsrechtliche Auflagen zu erfüllen, die für das Inhaberehepaar nicht greifen. Für Behindertenarbeitsplätze sind weitere Anforderungen zu erfüllen. Dies sollten Sie gleich bei der Beschaffung des Betriebsgebäudes und bei der Maschinenauswahl berücksichtigen. Später anbauen oder umbauen wird kaum möglich sein und Schutzvorkehrungen nachrüsten ist unwirtschaftlich oder nicht machbar. Dann ist vorzeitige Modernisierung fällig.
Allein aus Altersgründen lohnt der Neueinstieg bei Ihnen nicht mehr. Ehe Sie sich richtig in die vielfältige Betriebsorganisation eingefunden haben, vergehen fünf Jahre mit Entbehrungen aller Art. Mit 60 Altersjahren wird der Kräfteschwund schon deutlich, so dass Sie die Tagesschicht reduzieren werden und Personal einsetzen. Mit 65 Jahren sollte man sich weitestgehend aus dem Familienbetrieb zurückziehen und das Tagesgeschäft den Kindern überlassen. Andernfalls leidet das Betriebsklima und beschert den schleichenden Betriebsuntergang bevor das 70. Lebensjahr erreicht ist.
Für den sonstigen Geschäftsbetrieb bringen Sie sicherlich die besten Voraussetzungen für ein optimales Gelingen mit. Ich denke hierbei an Kundenzuwendung, Marketing, Vertrieb, Innovation und handwerkliches Geschick. Vorteilhaft wirkt sich auch eine Geschäftsverbindung mit Streuobstinitiativen und Mitgliedschaft in Verbänden wie NABU und BUND aus. Für weitergehende Hinweise stöbern Sie bitte die Linkseite auf www.pomologen-verein.de durch.
Als Hauptproblematik sehe ich bei Ihnen das fehlende Betriebsgebäude und das wohl geringe Eigenkapital für die Maschineneinrichtung. Wenn laufende Mietkosten anfallen und für die Maschinen Kredite herhalten müssen, öffnen Sie sich eine Schuldenfalle, aus der Sie nicht mehr herauskommen und kein Jahr überleben werden.
Ich hoffe, dass Ihnen meine Ausführungen in der Entscheidungsfindung weiterhelfen.
Adressen für Gebrauchtmaschinen
Frage Haben Sie Ansprechpartner oder (Internet)Adressen für gebrauchte Mostpressen, Mühlen etc.?
Antwort von Wilfried Marquardt am 19.05.2010 Nachfolgend eine kurze Liste über Händler mit Gebrauchtangeboten:
Kahl + Schlichterle GmbH Rodaer Straße 4 D-35099 Burgwald-Ernsthausen Telefon: +49.6457 91 31-0, Telefax: +49.6457 91 31-30 E-Mail: info@kahlschlichterle.de, Internet: www.kahlschlichterle.de
http://www.winzer-service.de/
http://www.vino-tec.de/Kellereimaschinen/index.htm
http://www.nikema.de/
http://www.maschinenhandel-bauer.at/
http://www.maschinen-anzeiger.de/B1_Getraenkemaschinen/
http://www.centrimax.de/Lieferprogramm/index.html
Die Firma Kahl + Schlichterle führt das größte und umfassendste Sortiment. Dort können Sie sich auch örtlich umsehen. Alternativ stellt die Firma Ihnen eine komplette Anlage zusammen, sofern örtlich vorhanden. Sie müssen nur die Größenordnung und die verschiedenen Systeme wie Pressensystem, Abfüllsystem und in was abgefüllt werden soll, vorgeben.
Ansonsten können Sie sich im Internet mit dem Begriff „Kellereimaschinen gebraucht“ noch ergänzend auf die Suche begeben.
Effektiver gestaltet sich die direkte Anfrage bei den namhaften Herstellern. Die haben häufig Maschinen von Kunden zurückgenommen, die gegen eine neue getauscht wurde. Hierfür müssen Sie aber schon eine gewisse Vorstellung haben, was Sie im Einzelnen wollen.
Falls Sie in der Auswahl der geeigneten und zueinander passenden Maschinen unsicher sind, sollten Sie sich fachlich und unabhängig beraten lassen. Kontakt: http://www.fruit-juice-circle.de/rmoebus.htm .
Anbieter von mobilen Mostereien
Frage: Ich bin auf der Suche nach einer mobilen Mosterei (gebraucht oder neu). Können Sie mir vielleicht weiterhelfen? Wer diese baut und verkauft. Im Internet ist fast ausschließlich von den Betreibern und Kunden die Rede, aber nicht wie man so eine Mosterei käuflich erwerben kann.
Auf eine Antwort von Ihnen würde ich mich sehr freuen.
Antwort von Wilfried Marquardt am 09.09.2010 Mobile Mostereien werden in der Regel von den Pressenherstellern angeboten, die Pack- und Bandpressen herstellen. Allen voran die Firma Voran.at oder auch Amos.de, Heumesser.de, gg-technik.de und andere Gemischtwarenhändler wie Rink-gmbh.de. Alle Anbieter stellen Ihnen die Anlagenteile entsprechend Ihren Wünschen zusammen. Die gleichen Anbieter können Ihnen auch bei der Suche nach gebrauchten Rücklauf-Anlagen helfen.
Wer wegen der Kosten mit einem gebrauchten Saftmobil starten will, sollte sich auf eine längere Suchzeit einstellen und seine Adresse bei den Herstellern und Händlern hinterlegen. Auch bei kahlschlichterle.de nachfassen und bei winzer-service.de die Gebrauchtangebote monatlich durchsehen oder dort seine Suchanzeige aufgeben.
Ich denke, dass Sie mit meinen Hinweisen und terminierter Beharrlichkeit auch ein gebrauchtes Saftmobil finden werden.
Mindestausstattung für Kleingewerbe
Frage: Da ich ich eine Packpresse, einen Pasteur und eine Schabermühle besitze und mit dem Gedanken spiele, für nächste Saison eine Rätzmühle mit Waschanlage und Elevator zu kaufen, denke ich auch darüber nach, das Mosten für Kunden anzubieten. Ich habe dieses Jahr erstmal für mehrere Freunde und Bekannte insgesamt ca. 2000 Liter Saft gepresst, pasteurisiert und abgefüllt, so wie ca. 500 Liter für Wein. Der vorhandene Raum in unserer Scheune wird im Winter umgebaut, da er dann auch als Honigschleuderraum genutzt werden soll. (Wasser, Abwasser, Böden und Wände gefliest).
Denken Sie, es kann sich lohnen das ganze als Kleingewerbe zu betreiben, so dass ich die Maschinen Auslasten und zumindest die Kosten decken kann? Oder soll ich lieber im kleinen Rahmen für Freunde und Familie mosten? Mitarbeiten würde ausschließlich die Familie, evtl. Kunden die das möchten. Die nächste Mosterei, die so etwas anbietet ist ca. 25 km entfernt. Viele aus unserem Ort bringen das Obst zu einer näher gelegenen Kelterei. Dort kann man aber nur den unbehandelten Saft oder Gutscheine bekommen.
Arbeitsweise wäre dann Donnerstag Anlieferung, Freitag und Samstag Abholung. Der Trester kann an Schweine und Rinder verfüttert und der Rest in unsere kleine Apfelplantage ausgebracht werden.
Vorhandene Maschinen:
- Voran Packpresse 100P2
- Schabermühle - soll ersetzt werden
- Pasteur mit Plattenwärmetauscher (Gas) ca 500l/h
- 2-stelliger Bag in Box Abfüller - manuell
- Maischebütten und Fässer
- Pumpen
Kann man irgendwo nachlesen, welche Anforderungen vom Gesetzgeber eingehalten werden müssen? (Zusammenfassung für Mostereien)
Vielen Dank schon mal für Ihre Mühe und Zeit.
Antwort von Wilfried Marquardt am 28.10.2010 Mit Ihrer derzeit vorhandenen Mostereianlage sollten Sie bereits kostendeckend für den Eigenbedarf arbeiten, wenn keine Abschreibungen mehr anfallen. Wenn Sie Ihre Mosterei auf Zuerwerb in der Erntezeit ausrichten wollen, ist die bereits von Ihnen angedachte Umrüstung genau richtig. Lediglich die Packpresse mit den 50er Rosten ist dann zu klein ausgelegt. Gewinne werden bei Packpressen erst ab Rostgröße 65 x 65 cm eingefahren.
Ihren Ausführungen entnehme ich, dass Sie nicht unter Platznot leiden. Richten Sie Ihren gefliesten Bereich entsprechend großzügig aus, dass auch eine alte Packpressenanlage in Drehbiet mit 100er Rosten zum Einsatz kommen kann. Der Platzbedarf wäre für diese Pressanlage etwa 6 x 10 Meter. Halten Sie wegen des Elevators mit Mühle, anschließendem Maischesammler mit Portionierer und des dazugehörenden Revisionsfreiraumes eine Mindestraumhöhe von 4,5 Meter ein. Bei der vorhandenen Scheune dürfte das kein Problem sein. 
Als Negativbeispiel gebe ich Ihnen anhängend ein Foto mit einer aufgefrischten Alt-Pressanlage in einem umgerüsteten Stallgebäude zur Kenntnis. Die Packpresse mit 80er Rosten in Drehbiet ist zweiseitig durch Wände eingeengt, so dass freizügiges Arbeiten nicht möglich ist. Pressanlagen sind so aufzustellen, dass sie von mindestens drei Seiten mit einem Meter Abstand zu Wänden und anderen Einrichtungen frei zugänglich sind. Die im Foto gut zu erkennende Enge könnte auch bei Ihnen entstehen, wenn Sie Ihre Umbaumaßnahmen nach der vorhandenen Packpresse 100-P2 mit den 50er Rosten ausrichten.
Weitere Ausführungen siehe auch unter F&A-Neuanfang auf hobbymosterei.de.
Die gesetzlichen Anforderungen an einen Mostereibetrieb sind in verschiedenen Regelwerken enthalten. Mir ist keine Schrift bekannt, in der die Regelwerke zusammengeführt oder zumindestens aufgelistet sind. Die Regelwerksthematik ist zu weit gefächert, um diese aktuell in einer Schrift vorhalten zu können. Aus diesem Grunde hält sich der Fruchtsaftbetrieb eine monatlich erscheinende Fachzeitschrift wie z.B. „Flüssiges Obst“. Darin wird aktuell auf gesetzliche Veränderungen im Fruchtsaftbereich etc. hingewiesen. Als Imker sind Sie sicherlich im Verein tätig und erhalten hierüber auch die Imkerzeitung mit allen möglichen Hinweisen und Regelungen. Wer die wesentlichen Hinweise verinnerlicht, hält sich so auf dem Laufenden und kann auf Veränderungen frühzeitig reagieren.
Als erste Anlaufstelle schlage ich Ihnen das örtlich zuständige Ordnungsamt/Gewerbeamt oder Gesundheitsamt vor. Tragen Sie der Sachbearbeiterin Ihr Mostereimodell im persönlichen Gespräch vor und bitten um Hilfestellung, was im Einzelnen zu beachten ist. Daraus ergeben sich dann die nächsten Schritte. Die vorgeschlagene Kontaktaufnahme ist immer sinnvoll, wenn über den Eigenbedarf produziert und Saft außer Haus abgegeben wird. Hierbei ist es unerheblich, ob Sie ein Hobbybetrieb oder ein Gewerbebetrieb sind oder werden wollen.
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Anleitung für Saft herstellen
Frage Ich spiele mit dem Gedanken etwas Hobbymosterei zu spielen. Was benötige ich für eine Presse? Worin füll ich am besten den Saft ab? Ich dachte pro Herstellung an eine Größenordnung von einem Einkocher, da ich ja den Saft auch abkochen muss.
Antwort von Wilfried Marquardt am 17.11.2010 Wenn Sie sich mit der Apfelsaftherstellung für den Eigenbedarf vertraut machen wollen, greifen Sie bitte auf die bereits vorhandenen Beiträge im Internet zurück. Geben Sie in Ihrer Suchmaschine den Begriff "Saft herstellen" oder "Saftherstellung" ein. Darauf erhalten Sie eine Vielzahl von guten und auch nachvollziehbaren Anleitungen einschließlich der notwendigen Anschaffungen.
Apfelsaft-Keltereiprojekt in Sobissi (Georgien)
Frage Ich arbeite bei „EthicFinance e.V.“. EthicFinance e.V. ist ein Verein, der sich um einen ethisch-ökologischen Umgang mit Geld bemüht (www.ethicfinance.ge).
Dieses Jahr, im Herbst 2011, planen wir ein sozialökologisches und unternehmerisches Jugendprojekt in einem georgischen Dorf „Sobissi“. Das Dorf Sobissi liegt in Ostgeorgien. Der Konflikt mit dem nur ein paar Kilometer weiter nördlich gelegenen Südossetien hat die seit langem schwierige wirtschaftliche und soziale Situation weiter verschlechtert. Das Projekt soll daher einen Beitrag zur wirtschaftlichen Unterstützung und Aktivierung der Dorfbevölkerung leisten. Es soll ein Prozess in Gang gesetzt werden, der der Dorfbevölkerung wirtschaftliche Perspektiven bewusst macht und Einkommensmöglichkeiten schafft.
Dieses Ziel soll über die Arbeit mit Jugendlichen erreicht werden, die dieses Wissen dann an ihre Familien weitergeben. Den Jugendlichen soll daher eine Möglichkeit gegeben werden, bewusst unternehmerisch zu denken und zu handeln. Die Jugendlichen sollen Chancen für kleinere wirtschaftliche Aktivitäten erkennen lernen, eine unternehmerische Denkweise angeregt und Wege in die Selbständigkeit aufgezeigt werden.
Dieses Wissen soll anhand einer kleinen Apfelsaft-Kelterei als Praxisbeispiel aufgezeigt werden, die in einem Raum der örtlichen Schule eingerichtet wird. Die Zusammenarbeit mit der Schule bietet dabei mehrere Vorteile. Die Infrastruktur des Projektes wird in einem öffentlich zugänglichen Bereich errichtet und die Jugendlichen können über die Schule erreicht und einbezogen werden. Die Jugendlichen sollen dabei an entsprechende Aufgaben wie Produktion, Vermarktung, Mitarbeiterorganisation, Strategieentwicklung etc. herangeführt und praktisch ausgebildet werden. Die praktische Tätigkeit wird durch theoretische Informationsvermittlung ergänzt.
Haben Sie mit solchen Projekten schon mal was zu tun gehabt? Waren die Erfolgreich? Was meinen Sie aufgrund Ihrer Erfahrungen, wird das Projekt Erfolg haben?
Für die Durchführung unseres Vorhabens brauchen wir eine kleine Apfelsaft-Kelterei (Obstpresse, Obstmühle, Presstücher für Presse, Kochtopf etc.).Können wir diese Produkte direkt über das Internet bei Ihnen bestellen? Ist Versand nach Georgien möglich?
Was empfählen sie uns, sonst wo können wir eine Apfelsaft-Kelterei kaufen?
Auf eine Antwort von Ihnen würden wir uns sehr freuen
P.S. in der Anlage füge ich unser Projekt bei. Fall sie Interesse haben, können sie es zur Kenntnis nehmen
Antwort von Wilfried Marquardt am 05.03.2011 Das ist ein sehr interessantes Projekt, das Sie in Sobissi durchziehen wollen. Wäre ich frei von herbstlichen Bindungen in unserer eigenen Mosterei, hätte ich mich gern bei Ihnen örtlich eingebracht.
In der von Ihnen geschilderten Form hatte ich bisher noch nicht zu tun. Verschiedentlich hatten wir mit Kindergruppen im Alter zwischen 10 bis 12 Jahren zu tun, Hierbei ging es lediglich um die Herstellung des Rohsaftes, der im Anschluss an alle Aktionsteilnehmer kostenlos ausgeschenkt wurde. Die Obstbeschaffung und die Obstwäsche erfolgte von uns vorab und es gab auch keine Heißabfüllung in Flaschen usw. Als Obstverarbeitungsgeräte kamen die Handmühle OM10 (10 Liter Trichter) und die Spindelkorbpresse OP20 (20 Liter Korb) der Firma G. Wein (vormals Rauch) zum Einsatz. Die Saftausbeute mit den vorgenannten Geräten liegt bei 50 % zum Obstgewicht.
Besonders arbeitsschwer war die Handmühle. Die Bedienung wird selbst von Erwachsenen als äußerst kräftezehrend empfunden. Deshalb probte jedes Kind ca. 1 Minute und wurde dann abgelöst. Dabei wurde die lose aufgesetzte Mühle von 2 weiteren Kindern gegen Verrutschen festgehalten. Die Bedienung der OP 20 wurde dagegen spielend betrieben. Besonders deshalb, weil dieser Pressentyp mit dem Untersetzungsgetriebe in der Hebelmechanik von oben nach unten betrieben wird. Zum Ende des Pressvorganges ließen bei den Kindern oft die Kräfte nach und so hängten sie sich einfach an den Hebel, der sich infolge des Körpergewichtes langsam senkte. So wurde spielend gepresst.
In Ihrem Projekt steht weniger der Spiel- und Beschäftigungstrieb im Vordergrund, sondern der wirtschaftliche Nutzen. Hierfür sind entsprechende Maschinen und Geräte zielgerichtet auszuwählen.
Die von Ihnen in der mitgelieferten Projektbeschreibung aufgeführten Geräte könnten einem Dreipersonen-Haushalt mit 2 Apfelbäumen im Hausgarten genügen, aber nicht Ihrem Projekt. Für die Projektarbeit erkenne ich Fehlanschaffungen. Nachfolgend meine Beurteilung:
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Die beiden Rahmenpressen gibt es mit breitem oder schlankem Presskorb. Bei der schlanken Ausführung ist der Pressdruck höher, woraus sich eine höhere Saftausbeute ergibt. Die Rahmenpressen werden in China von der Firma Yantai Shuanglin Machinery Factory ADD:Etdz, Yantai City,Shandong Province, China, hergestellt.
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- Die Obstmühle wird nicht weiter definiert. Bei 373 Euro Kaufpreis nehme ich an, dass es sich um die elektrisch betriebene Schneidemühle „Musermax“ handelt. Das wäre dann so in Ordnung.
- Als Obstpresse ist die Beerenpresse BP12 mit feststehender Mittelspindel der Firma Güde vorgesehen. Pressteller und Spindel bestehen nach meinen Recherchen aus lackiertem Stahl. Der Lack wird bereits nach einer Saison verschiedentlich fehlen, so dass der blanke Stahl freiliegt und Rostbildung begünstigt. Außer den unhygienischen Merkmalen ist die Presse mit 12 Liter Korbinhalt zu klein gewählt. Mit so einem Zwergenmodell wird den Jugendlichen bald die Arbeitslust vergehen und Ihre Wirtschaftlichkeitsaussage in Frage stellen. Auch wenn Sie über wenig finanzielle Mittel verfügen, sollte zumindest das Modell gewechselt werden. Wenn Sie Billigprodukte bevorzugen, wählen Sie dann von Firma Güde die Rahmenpresse RP36 oder besser die RP72. Bei der Rahmenpresse mit Edelstahlbiet gibt es keinen Rostkontakt und inhaltlich lohnt sich der Aufwand von füllen und leeren der Presse. Bedenken Sie, dass die Obstpresse die Basis allen Schaffens und das Nadelöhr im Projekt ist. Mit einer zu kleinen Presse stauen sich die Vorarbeiten (Maischebereitung) und bei Nachfolgearbeiten (erhitzen mit Flaschen abfüllen) langweiligen sich die Jugendlichen, weil die Saftproduktion mit etwa 30 Liter pro Stunde alle anderen Produktionsabläufe ausbremst. Aus reiner Langeweile werden sich die 10 bis 20 Jugendlichen dann mit Äpfeln, Apfeltrester und Apfelmaische gegenseitig bewerfen. Auch das habe ich bereits kennen gelernt.
- Nach der Projektbeschreibung soll der Saft klar gefiltert werden, weil der „allgemeine Kunde“ nur klaren Saft kennt. Als Saftfilter soll ein Rundfilter 22 mit entsprechenden Filterschichten zum Einsatz kommen.
Der Rundfilter wird sinnvoll zur Klärung von leicht trüben Weinen verwendet, aber auf keinen Fall zur Saftklärung. Wenn das praktiziert wird, gehen Sie infolge Massenverbrauch von Filterschichten mit Ihrem Projekt pleite. Durch den Verbrauch nötiger Filterschichten und dem Zeitaufwand der Filtration in der angepeilten Miniaturform, könnte sich der kalkulierte Saftpreis um 30 Cent pro Liter erhöhen. Die Industrie setzt zur Saftklärung Zentrifugen ein, die nach der Anschaffung aber keine weiteren Verbrauchskosten, außer Strom, nach sich ziehen. Lösen Sie sich bitte von der Vorstellung, klaren Saft zu vermarkten, der immer minderwertig ist. Hierzu habe ich bereits mehrfach unter F&A Stellung genommen und möchte mich deshalb hier nicht wiederholen. Bieten Sie gleich trüben Saft an und klären die Kunden über die Vorzüge des trüben Saftes auf. Wer Biosaft oder Streuobstsaft filtert ist fachunkundig, gehört öffentlich angeprangert und ist für einen Tag an den Schandpfahl des Dorfes zu binden, oder so ähnlich ;-). Seien Sie ganz einfach mal mutiger Pionier in Ost-Georgien.
Die übrigen Gerätschaften zur Abfülltechnik und Verpackung werden Sie dem Bedarf anpassen und gegebenenfalls ergänzen können. Zur Obstwäsche fand ich keine Angaben. Alle weiteren und vertiefenden Informationen für den Keltereibetrieb sind von mir unter F&A bereits abgehandelt. Nehmen Sie sich ruhig die Zeit, das Wesentliche für Ihr Projekt herauszufiltern.
Der Erfolg Ihres Projektes wird maßgeblich von der Teamleitung abhängen. Außer einem reibungslos funktionierenden Betriebsablauf sind die verschiedenen Neigungen der Jugendlichen so früh wie möglich zu erkennen und im Projekt zielgerichtet einzubringen. Auch die Neugier zu den verschiedenen Techniken sollte immer wieder angeregt werden. Oft zeigen sich erst später die schlummernden Talente. Diese sind dann zu fördern und auszubauen. Die Teamleitung sollte also pädagogisch und organisatorisch gut vorbereitet sein. Als Folgeschwerpunkt nach der Keltersaison sollten die Jugendlichen mit der Vermarktung aller möglichen Facetten der Eigenprodukte beschäftigt werden. Daraus werden sich weitere Ideen mit Absatzmärkten ergeben. Im Februar des Folgejahres wird der produzierte Saft bereits ausverkauft sein und Sie bereuen die zu klein gewählte Produktionsanlage. Schön wär´s? Warten Sie ab ;-). Auf jeden Fall sollten Sie sich schon jetzt mit dem Etikettenentwurf beschäftigen und das Etikett noch vor den Sommerferien drucken lassen.
Ich wünsche Ihnen und dem EthicFinance-Team Zuversicht, Freude und Erfolg in der Umsetzung des Keltereiprojektes. Vielleicht finden sich noch Sponsoren, die Ihr Projekt mit leistungsfähigeren Maschinen ausstatten.
Obstwiese als Gewerbebetrieb Themenbeitrag im Streuobstnetzwerk Meck-Pom im Juni 2011
Frage Wir bewirtschaften am Schaalsee ca. 1 ha Streuobstwiesen. Dafür haben meine Frau und ich einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb angemeldet, über den das Obst und der daraus hergestellte Saft vermarktet wird. Damit sind wir auch verpflichtet, Beiträge an die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft zu entrichten. Wir haben unseren Augen nicht getraut, als nun die Beitragsrechnung kam: 580 € / Jahr ! – Bei einem Telefongespräch hat man mir nur bestätigt, dass der Beitrag richtig berechnet sei – und bedauert, dass „gerade für solche kleinen Flächen“ ein derart hoher Beitrag verlangt wird. Auch bekam ich die Auskunft, dass der Beitrag viel niedriger sei, wenn ich die Bäume entfernen würde.
Meine Frage: Muss jemand von Euch einen vergleichbaren Versicherungsbeitrag an die Berufsgenossenschaft zahlen ? Meines Wissens ist eigentlich jeder, der mehr als nur einen Freizeitrasen pflegt, verpflichtet, berufsgenossenschaftliche Beiträge zu bezahlen ?!? (Wenn das so ist, dann könnten durch diese Neueinstufung der Beiträge einige Flächeninhaber darüber nachdenken, wertvolle Bäume zu roden ….)
Antwort von Wilfried Marquardt am 09.06.2011 Die Mitgliedsbeiträge der jeweiligen BG richten sich nach dem Grad der Gefährdung des Betriebes. In Ihrem Fall können Schnitt- und Erntewerkzeuge auf Leitern verwendet werden. Unfälle von Leitern mit Werkzeugen lösen allgemein hohe Kosten für die Heilbehandlung und Wiedereingliederung bis zur möglichen Invalidenrente aus. Für die Beitragsbemessung ist es unerheblich, wie groß die Bäume zum Beitrittszeitpunkt sind. Auf jeden Fall wachsen Bäume in die Höhe und werden schon nach wenigen Jahren von Leitern aus gepflegt. Mit der von Ihnen genannten Versicherungssumme sind wahrscheinlich nur Sie mit Ihrer Frau versichert. Eventuell bei der Wiesenpflege und Ernte helfende Personen sind darin nicht eingeschlossen und müssten gegebenenfalls für den Arbeitszeitraum nachversichert werden.
Wer auch bei schweren Unfällen auf Wiedereingliederungsmaßnahmen und Invalidenrente verzichten kann, sollte seine Streuobstwiese nicht als landwirtschaftlichen Betrieb anmelden, sondern die Fläche als Hobbylandwirt führen. Dadurch werden nicht nur die Kosten für Beiträge an die Berufsgenossenschaft eingespart, sondern auch noch die örtliche Gewerbesteuer und je nach Umsatz Beiträge an das Finanzamt.
Wenn man bedenkt, dass auf einer Streuobstwiese von 1 ha bzw. einer Fläche von 100 x 100 Meter maximal 80 Obstbäume Platz finden, kann daraus kein Wirtschaftsbetrieb abgeleitet werden, der Gewinn abwirft. Bei einer Neupflanzung von Apfelbäumen können nach 15 Jahren Pflege die Jungbäume im Mittel eines Zweijahreszeitraumes 19 Kg Äpfel je Baum hervorbringen. Nach 20 Jahren können 42 Kg zur Berechnung im Mittel eines Zweijahreszeitraumes herangezogen werden. Die Mengenannahmen stammen aus eigener Erhebung.
Nach 15 Jahren somit bei 80 Bäumen x 19 Kg = 1.520 Kg. In Meck-Pom wird gutes Mostobst zwischen 8 bis 20 Cent pro Kg gehandelt, im Mittel für die Berechnung somit 0,14 Euro pro Kg. Für die gesamte Ernte mit 1.520 Kg wird ein Betrag von 212,80 Euro erwirtschaftet.
Wenn ich mich mit meiner Berechnung und den Mengenansätzen nicht vertan habe, buttern Sie mit Ihrer landwirtschaftlichen Betriebsanmeldung richtig zu und arbeiten dabei noch umsonst. Die Aufwendungen für Pacht bzw. Grundsteuer und Wiesenpflege zweigen Sie wahrscheinlich von dem kargen Verdienst aus der Mosterei ab. Vielleicht überdenken Sie noch einmal den Sicherheitsgedanken bei einem Unfall auf der Streuobstwiese. Jeder, der einen Obstbaum bei sich im Garten hat, setzt sich allgemein dem Risiko der Verunfallung aus. Wenn kein Arbeitsunfall nachgewiesen werden kann, übernimmt die Krankenkasse die Heilbehandlungskosten. Das sollte allgemein genügen. Kosten für Wiedereingliederung und Invalidenrente entfällt dabei natürlich.
Sollten Sie sich entschließen, die Streuobstwiese als Privatbesitzer zu betreiben, sollten Sie den landwirtschaftlichen Betrieb schleunigst wieder abmelden. Vielleicht gibt es dann noch Geld von der BG zurück. Die Pflichtversicherung bei der BG greift nur bei einem Gewerbebetrieb oder wenn Sie als Obstwiesenbesitzer Beschäftigte führen. Beschäftigte sind alle, die mitarbeiten, selbst die eigenen Kinder sind in diesem Sinne Beschäftigte. Nur Sie und Ihre Frau als Privatperson können von der Versicherungspflicht freigestellt sein. So lange eine Privatperson oder ein Ehepaar nachweislich aus seiner/ihrer Streuobstwiese keinen Gewinn erwirtschaften, entfällt die Anmeldung eines Gewerbebetriebes. Selbst das Finanzamt lehnt Hobbybetriebe ab, die nachweislich keinen Gewinn erwirtschaften und gerne negative Einnahmen bei der Einkommensteuererklärung als Arbeitnehmer abrechnen wollen. Das funktioniert dann nämlich auch nicht.
Mein Vorschlag zu Ihrer Frage: Trennen Sie Ihre privaten Aktivitäten vom bisherigen Gewerbebetrieb der Mosterei. Die finanziellen Aktivitäten des „Hobbybetriebes Streuobstwiese“ halten Sie mit Belegen, die einer Prüfung standhalten müssen, fest. Also gesonderte Fortschreibebuchführung mit Belegen. Das funktioniert natürlich nur, wenn Sie mit Ihrer Frau ein anderes gesichertes Einkommen glaubhaft nachweisen könne.
Hinweis einer registrierten Leserin im Streuobstnetzwerk Hallo Herr Marquardt, Dank für Ihre Infos und Hinweise. Bis 2010 haben wir mit der Streuobstwiese Schlage (24,7ha) die größte Streuobstwiese in MV bewirtschaftet. Zwischenzeitlich gibt es einen neuen Eigentümer. Es ist uns allerdings in allen Jahren nicht gelungen, für unser Mostobst im Mostereiangebot mehr als 6 ct/kg incl. Anlieferung zu realisieren. Ihre Rechnung muss also noch weiter nach unten revidiert werden, 0,14 Euro sind sehr weit oben.
Antwort von Wilfried Marquardt am 19.06.2011 Wenn Ihnen eine Mosterei nur 6 Cent/Kg Äpfel für Mengenobst auszahlt, ist dies auf jeden Fall zu wenig. Hier stellt sich mir die Frage, was die Ursache des Dumpingpreises ist. Es gibt nach meiner Kenntnis immer noch Mostereien, die qualitativ minderwertiges Obst annehmen und verarbeiten. Hierfür 6 Cent pro Kilo zu bezahlen wäre nach meinem Verständnis noch zu viel, weil es von der Mosterei grundsätzlich abzuweisen ist.
- Minderwertiges Obst ist daran zu erkennen, dass es unreif, beschädigt, überlagert oder angefault ist. Als Abwertung genügt bereits ein negatives Merkmal. Hierunter fällt in der Regel Plantagenobst, weil es zu früh und damit unreif geerntet wird und zusätzlich die Baumbestände mehrfach im Jahr mit Schädlingsbekämpfungsmitteln behandelt wurden.
- Qualitativ „gutes Mostobst“ zeichnet sich dadurch aus, dass es mindestens genussreif, unverletzt, frisch geerntet und gesund ohne Faulstellen ist. Hier müssen alle vier Merkmale zutreffen.
- Qualitativ „hochwertiges Mostobst“ ist ergänzend zu den vorgenannten Eigenschaften des „guten Mostobstes“ frei von chemischen Behandlungsmitteln. Hierunter fällt heute in der Regel Obst aus Streuobstwiesen und aus Hausgärten.
- Wenn dann das „hochwertige Mostobst“ noch nach Sorten getrennt bei der Mosterei, die dafür eingerichtet ist, angeliefert wird, kann ein noch höherer Preis gezahlt werden.
Die Mosterei-Kneese, um die es in diesem Beitrag anfänglich ging, bezahlt z.B. nach der Preisliste 2010 für Mischobst bei Äpfeln 12 Cent/Kg und für sortenreine Äpfel 14 Cent/Kg, siehe auch http://www.mosterei-kneese.de/pages/preise.html . Ich denke aber, dass Ihnen der Transportweg von etwa 206 km für Hin- und Rückfahrt von Schlage bei Rostock nach Kneese am Schalsee zu weit sein dürfte, so dass sich die Mehrkosten des Fahrweges durch den höheren Obstpreis nicht rechnen wird. Wir selbst zahlen sogar 27 Cent pro Kg sortierter Äpfel, was sich für Sie wegen des noch weiteren Weges aber auch nicht lohnt.
Es gibt jedoch noch eine Alternative für Sie. Bei der vorhandenen Menge Streuobst auf Ihren Wiesen sollten Sie ernsthaft die Beschaffung einer stationären Vereinsmosterei in Erwägung ziehen. Entsprechend den Reifegraden des Obstes verarbeiten Sie dieses mit den vorhandenen Leuten oder holen noch Aushilfskräfte hinzu. Vielleicht können sich die Kinder- und Jugendgruppen bei der Ernte noch einbringen. Auf jeden Fall würde Ihr Verein dann über qualitativ hochwertigen Streuobstsaft verfügen, der im Verein direkt verbraucht oder extern für einen höheren Preis verkauft werden könnte.
Hilfsweise könnten Sie auch eine mobile Mosterei für sich ordern. Dann hätten Sie bei einem geringen Kostenaufwand qualitativ alles selbst in der Hand. Der Nachteil ist nur, dass die mobilen Mostereien erst ab 1,5 oder 2 to Obst anreisen. Um die Mindestmenge an dem einen Presstag zusammen zu bekommen, wird in der Regel unreifes Obst dazu gestellt. Bei der Menge und Hektik wird auch häufig angefaultes Obst übersehen. Wenn davon zu viel verarbeitet wird, wirkt sich dies nachteilig auf die Haltbarkeit des Saftes im Bag-in-Box aus. Die Behälter blähen dann kugelig auf und sind damit unbrauchbar. Diese Nachteile im Handling der mobilen Mosterei entstehen nicht in der Vereinsmosterei. In der stationären Vereinsmosterei werden mehrfach in der Woche kleine und damit überschaubarere Mengen verarbeitet. Dadurch besteht auch keine Not, unreifes Obst zu verarbeiten.
Denken Sie über die Alternative in Ruhe nach und erörtern das Thema einmal im Vorstand.
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